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Erster Weltkrieg 1914/18
Karte Marne Karte Verdun Karte Somme
Die ungleichmäßige Entwicklung der europäischen Länder und die um 1900 beendete Aufteilung der Welt führten zur Verschärfung der Gegensätze zwischen den wirtschaftlich starken Nationen.
Der größte Gegensatz bestand zwischen Großbritannien, das über den größten Kolonialbesitz verfügte, und. Deutschland, das durch seine rasche ökonomische Entwicklung die brit. Vorherrschaft bedrohte. Durch die Flottenrüstungen wurde dieser Gegensätze noch verschärft.
Beide Mächte schufen aggressive Blocks:
Unter deutscher Führung entstand der Dreibund (1882) mit Österreich‑Ungarn und Italien (bis 1914); seit dem 27.12.1893 bestand eine russisch-französische Militärkonvention gegen einen Angriff von Mächten des Dreibundes.
Großbritannien und Frankreich verbündeten sich zur Entente cordiale (1904), der Rußland, (1907) beitrat.
Die sich verschärfenden Widersprüche zwischen beiden Blöcken führten zum Weltkrieg. Die Gegensätze zwischen beiden Mächtegruppierungen zeigten sich besonders in den Marokkokrisen (1905/06, 1911) und während der Balkankriege (1912/13). Von beiden Blöcken wurden die Rüstungen intensiviert, wobei Deutschland in der Kriegsbereitschaft 1914 einen relativen Vorsprung gegenüber der Entente erreicht hatte und den ersten Weltkrieg auslöste.
Kriegsverlauf
Der äußere Anlaß des Krieges war das Attentat auf den österreichisch- ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand, am 28. 6. 1914 in Sarajevo. Von Deutschland unterstützt, erklärte Österreich‑Ungarn am 28. 7. Serbien den Krieg. Gleichzeitig begannen die Mobilmachungsvorbereitungen in den anderen Ländern. Am 1.8. erklärte Deutschland an Rußland, am 3.8 an Frankreich den Krieg.
Der Überfall auf das neutrale Belgien (3.8.) bot den Anlaß für den Kriegseintritt Großbritanniens (4.8.). Italien blieb zunächst neutral, dagegen trat Japan am 23. 8. auf seiten der Entente in den Krieg ein. Frankreich, Großbritannien und Rußland schlossen am 5. 9. ein Abkommen keine Separatfriedensverhandlungen zu führen. Die sozialdemokratische Partei und Gewerkschaftsführer hielten sich nicht an die Beschlüsse der Internationalen Sozialistenkongresse von Stuttgart und Basel. Sie bewilligten die Kriegskredite und stimmten der Burgfriedenspolitik zu.
1914 Gemäß dem Schlieffenplan sollten die im Westen aufmarschierten 7 deutsche Armeen mit dem starken rechten Flügel im Marsch durch Belgien die französischen Grenzfestungen umgehen und das französische Heer umfassen und vernichten. Nach der Besetzung Luxemburgs (2. 8.) u. der Einnahme der Lütticher Forts (4.‑16.8.) begann der deutsche Vormarsch durch Belgien (18.8.). Die für die deutschen Truppen erfolgreichen Grenzschlachten (21.‑29. 8.) brachten keine operative Entscheidung, die gegnerischen Armeen entzogen sich der Umfassung. Zudem zwang der unerwartet frühe russische Angriff auf Ostpreußen die deutsche Führung, 2 Korps nach dem Osten zu verlegen. Die deutschen Truppen erzielten bis Anfang September an der Marne einige Erfolge; sie mußten sich aber infolge der britisch-französischen Gegenstöße zwischen Paris und Verdun (6.‑9.9.) hinter die Aisne zurückziehen. In der Marneschlacht scheiterte der deutsche Blitzkriegsplan endgültig; die Niederlage löste eine tiefe Krise in der politischen und militärischen Führung Deutschlands aus (14.9. Ersetzung Moltkes durch Falkenhayn als Chef des Generalstabes). Im „Wettlauf zum Meer" (September/November) gelang es den deutschen Truppen nicht, die französischen Kanalhäfen zu erreichen; sie besetzten aber Belgien bis zum Yperkanal (9. 10. Einnahme von Antwerpen). Nach dem Scheitern der Angriffe bei Ypern erstarrte im November/Dezember 1914 die Westfront endgültig im Stellungskrieg. Der Durchbruch durch das gegnerische Verteidigungssystem wurde zur entscheidenden Voraussetzung für den erstrebten Bewegungskrieg.
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Im Osten gelang es den deutschen Truppen nach der Niederlage bei Gumbinnen (19.‑20.8.), die russischen Armeen bei Tannenberg (26.‑31.8.) u. an den Masur. Seen (6.‑15. 9.) vernichtend zu schlagen. Die österreichisch‑ungarischen Truppen erlitten nach Anfangserfolgen schwere Niederlagen bei Lemberg und mußten im September Ostgalizien und die Bukowina räumen. Ihre kritische Lage wurde durch deutsche. Angriffe im Herbst 1914 auf Warschau, Lodz und durch Operationen in Südpolen vorübergehend erleichtert. Ende 1914 bis Anfang 1915 blieben auch hier die Fronten im Stellungskrieg stecken.
Die österreichisch‑ungarischen Angriffe gegen Serbien endeten mit einer Niederlage und dem Rückzug hinter die Save (Dezember 1914). Dagegen gelang es Deutschland, die Türkei in den Krieg einzubeziehen (2. 11. 1914). Großbritannien annektierte daraufhin Zypern (5.11.) u. erklärte sein Protektorat über Ägypten (18. 12.). In Armenien, Mesopotamien u. Südpalästina entstanden neue Fronten, an denen die türkischen Truppen zunächst lokale Erfolge erzielten. Mit dem Andauern des Krieges erhöhte sich die Bedeutung der wirtschaftlichen Potenzen der kriegführenden Staaten. Während die Entente ihre Kräfte durch Ausbeutung der Kolonien und mit Hilfe der USA stärken konnte, gestaltete sich trotz der besetzten Gebiete die Lage der durch die brit. Blockade von den überseeischen Verbindungen abgeschnittenen Mittelmächte in der Folgezeit immer ungünstiger.

1915. Deutschland versuchte, Rußland zum Ausscheiden aus dem Krieg zu zwingen. Nach Abschluß harter Winterkämpfe in Masuren u. den Karpaten führte eine deutsch-österreichische Gegenoffensive zwischen Gorlice/Tarnow (2. 5. 1915) zum Durchbruch der russischen Front und zur Rückeroberung Galiziens und der Bukowina. In Fortsetzung der Offensive an der gesamten Front besetzten die deutschen Truppen Polen, Litauen und Kurland. Die russischen Armeen konnten sich im verlustreichen Rückzug der Einschließung entziehen. Auf der Linie Riga- Dünaburg- Pinsk- Czernowitz erstarrte Ende September 1915 die Front erneut im Stellungskrieg.
An der Westfront scheiterten die britisch-französischen Angriffe bei Soissons und in der Champagne (8.1.‑20.3.); eine deutsche. Gegenoffensive bei Ypern brachte trotz Einsatz Kampfgas (22.5.) nur geringen Geländegewinne.
Die Durchbruchsversuche der Entente zwischen Arras und Lille (Lorettoschlachten) im Frühjahr die mit großem Materialeinsatz organisierten Herbstschlachten bei Arras und in der Champagne (22.9.- 2.11.) führten zu keinem Erfolg. Die Kriegserklärung Italiens an. Österreich (23.5. 1915 an Deutschland am 28.8.1915 verschärfte die Blockade gegen die Mittelmächte weiter.
Die Italien. Angriffe in Südtirol und am Isonzo scheiterten nach Anfangserfolgen; in den fünf Isonzoschlachten (Juni 1915 bis März 1916) drängten die Italiener ihre Gegner an einigen Abschnitten zurück.
Seit Anfang 1915 Ententetruppen verstärkt die Türkei an. Die See- und Landkämpfe um die Dardanellen 19.2.1915 bis 9.1.1916) endeten jedoch mit einer Niederlage der Entente. Da die Türkei auf die wirtschaftliche und militärische Hilfe der Mittelmächte angewiesen war, wurde die Verbindung über den Balkan immer dringender.
Am 9. 10. eröffneten deutsche und österreichisch-ungarische Truppen die Offensive gegen Serbien. Nachdem Kriegseintritt Bulgariens auf Seiten der Mittelmächte (14.10.) wurde Serbien bis Dezember 1915 erobert, Montenegro zur Kapitulation gezwungen und Nordalbanien besetzt. Um ihre Balkanposition zu behaupten, landeten Ententetruppen (Orientarmee) bei Saloniki (5.10.) und rückten an die griechisch-mazedonische Grenze vor.

1916. Die Entente beabsichtigte eins gleichzeitige Offensive an allen Fronten, um die Mittelmächte niederzuwerfen. Die Rüstungen wurden verstärkt fortgesetzt. Großbritannien führte im Januar 1916 allgemeine Wehrpflicht ein. Die deutsche. Oberste Leitung plante einen Angriff auf Verdun der das französische Heer „ausbluten" und Frankreich zum Frieden zwingen sollte. Er wurde am 21.2. eröffnet u. brachte den deutschen. Truppen taktische Erfolge (Eroberung der Forts Douaumont und Vaux) und Geländegewinne, Verdun wurde jedoch von den Franzosen gehalten. Die Schlacht, die noch bis Dezember 1916 tobte, brachte keine Kriegsentscheidung. Die deutschen. und französischen Gesamtverluste an Toten und Verwundeten betrugen über 1 Mill. Mann. In der Sommeschlacht (24.6.‑26.11.) konnte die Entente unter großem Materialeinsatz (zum erstenmal Tanks) die deutsche Stellung etwas eindrücken, der Durchbruch gelang nicht.
An der Ostfront durchbrachen in der Brussilow Offensive Anfang Juni die russischen Truppen die österreichische Front, besetzten erneut Ostgalizien und drangen teilweise bis zu den Karpatenpässen vor. Das geschlagene und demoralisiert österreichisch-ungarische Heer mußte durch deutsche Verbände unterstützt werden.
In Italien scheiterte nach Anfangserfolgen eine österreichische Offensive ihn Südtirol (Mai 1916);die Italien. Truppen eroberten in der 6. Isonzoschlacht Görz (6.-9.8.). Die militär. Erfolge der Entente bewirkten Kriegseintritt Rumäniens (27.8.), wodurch sich die Lage der Mittelmächte weiter verschlechterte.
Die deutsche Heeresleitung traf einige wichtige Personalentscheidungen. An die Stelle von Falkenhayn traten Hindenburg als Chef des Generalstabs u. Ludendorff als Erster Generalquartiermeister (29.8.). Nach Anfangserfolgen der rumän. Truppen in Siebenbürgen erlitten sie im Herbst 1916 mehrere Niederlagen und mußten die Walachei und Dobrudscha räumen.
Im Frühjahr 1916 drangen die russischen Truppen in Armenien u. Persien weiter vor. Ein brit. Vorstoß auf Bagdad mißlang, das anglo‑indische Expeditionskorps mußte bei Kut-el-Amara (29.4.) kapitulieren. In Sinai wurden die Türken endgültig vom Sueskanal zurückgedrängt.
Ende 1916 bis Anfang 1917 zeichnete sich eine Wende in der Weltpolitik ab. Die Erschöpfung der Rohstoff- und Lebensmittelvorräte, wirtschaftliche Schwierigkeiten sowie der Aufschwung der. Antikriegsbewegung (Konferenzen in Zimmerwald und Kiental 1915/16, Antikriegsdemonstration in Berlin am 1.5.1916) verstärkten die Bestrebungen von Gruppen der herrschenden Kreise, durch den Abschluß eines Separatfriedens den gegnerischen Block zu spalten und dabei einen Teil der Kriegsziele zu realisieren.
Die deutsch-russischen Geheimverhandlungen und die österreichischen Sondierungen endeten ergebnislos. Am 5.11. wurde von den Mittelmächten ein „Königreich Polen" proklamiert, um das polnische Menschenpotential noch mehr für den Krieg auszunutzen.
In Irland scheiterte im April 1916 ein antibritischer Aufstand. Großbritannien und Frankreich einigten sich im Sykes-Picot-Abkommen (16.5.) über die Aufteilung der Türkei.
Eine „Friedensdeklaration" Deutschland (12.12.1916) und eine Vermittlungsnote Wilsons (21.12.) hatten ebensowenig Erfolg wie die spätere „Friedensresolution" des Reichstages(19.7.1917) und ein päpstlicher Appell (1.8.). Das Scheitern der geheimen und offenen Friedensbemühungen stärkte die Position der Kräfte, den Krieg bis zur vollständigen Niederlage des Gegners fortzusetzen (Lloyd George wurde brit. Ministerpräsident, Nivelle französischer Oberbefehlshaber) wollten.

1917. Der Ausbruch der Februarrevolution in Rußland (12.3.) verhinderte die koordinierten Operationen der Entente, doch setzte die bürgen. Provisor. Regierung den Krieg fort. Die Kerenski‑Offensive (30. 6.‑11. 7.) endete mit einem Mißerfolg, ein deutscher Gegenstoß bei Tarnopol (19.7.) führte zur Rückeroberung Ostgaliziens.
Im September/Oktober besetzten deutsche. Truppen Riga und die Moonsund-Inseln. Die Erklärung des uneingeschränkten U-Boot‑Krieges (1.2.) war der Anlaß für den Kriegseintritt der USA (6. 4.). Die USA sahen in einem etwaigen Sieg Deutschlands eine Gefahr ihrer die Investitionen in Großbritannien und Frankreich. Deshalb unterstützten sie durch Anleihen, Kredite und Materiallieferungen die Entente. Der Kriegseintritt der USA sicherte der Entente eine wachsende Überlegenheit und beschleunigte die Niederlage der Mittelmächte. Mit den USA traten Griechenland (27.6.), China (14.8.) und fast alle amerikanischen Staaten in den Krieg gegen Deutschland ein.
An der Westfront zogen sich die deutschen Truppen in die verkürzte "Siegfriedstellung" zurück (16.‑20.3.). Die Frühjahrsoffensiven der Entente an der Aisne und bei Arras (April/Mai) brachen nach kurzer Zeit unter schweren Verlusten zusammen. Die darauffolgenden Aufstände in der französischen Armee wurden von Petain, dem Nachfolger Nivelles, blutig unterdrückt. Die britischen Truppen setzten von Ende Mai bis Dezember 1917 ihre Offensive in Flandern mit geringem Bodengewinn fort.

Bei Cambrai erfolgte dabei zum erstenmal ein massierter Tankeinsatz (20.11.). In Italien durchbrachen deutsch- österreichische Truppen bei Tolmein/Flitsch die Front und fügten dem Italien. Heer eine schwere Niederlage zu (24.-27.10).Mit britisch-französischer Hilfe konnte an der Piave eine neue Front errichtet werden.
In Vorderasien eroberten die Briten 1917 Bagdad und Jerusalem und besetzten große Teile Persiens. Um deren weiteres Vordringen aufzuhalten, entsandte die deutsche Heeresleitung ein „Asienkorps" in die Türkei.
Unter dem Einfluß der Februarrevolution wuchsen die revolutionären Aktionen der Soldaten u. Volksmassen. Dem Metallarbeiterstreik in Deutschland (April) folgte die Erhebung in der Flotte (August), die unterdrückt wurde . In den Ententestaaten fand 1917 eine Reihe von Streiks statt.
Nach dem Sieg der „Großen Sozialistischen Oktoberrevolution“ forderte die Sowjetregierung alle kriegführenden Staaten zu Friedensverhandlungen auf („Dekret über den Frieden"). Da das Angebot von den Regierungen ignoriert wurde, leitete die Sowjetregierung mit den Mittelmächten Waffenstillstandsverhandlungen ein. Die herrschenden Kreise Deutschland wollten den Zweifrontenkrieg beenden und den Krieg im Westen zum „Siegfrieden" führen, ehe die USA ihr Kräftepotential voll in die Waagschale werfen konnten. Damit verband sich das Bestreben, das Eroberungsprogramm im Osten zu verwirklichen. Gleichzeitig sahen sich auch die Oberste Heeresleitung und die Regierung gezwungen, die Friedenssehnsucht der Volksmassen zu berücksichtigen.
Am 5.12. (verlängert am 15.12.) wurde der Waffenstillstand abgeschlossen. Nach der Errichtung eines litauischen Staates (11.12.) wurde mit der Zentral-Rada der Ukraine ein Sonderfrieden vereinbart (9.2.1918).
Die entgegen der Weisung Lenins erfolgte Ablehnung der deutschen Bedingungen durch Trotzki gab der deutschen Obersten Heeresleitung die Möglichkeit für weiteres Vordringen nach Osten (18.2.).
Die Bedrohung Petrograds wurde durch Einheiten der neugeschaffenen Roten Armee bei Pskow und Narwa (23.2.) abgewehrt. Am 3.3. wurde der, inzwischen in den Bedingungen verschärfte, Brester Friede unterzeichnet. Mit der Besetzung der Ukraine, der Krim, Transkaukasiens und mit dem Einfall in Finnland setzten die deutschen Verbände ihre Aktionen fort. Dem besiegten Rumänien wurde am 7.5. ein Diktatfrieden auferlegt.
Zugleich begann die Entente mit der militärischen Intervention in Nordrußland. Mit dem Massenstreik in Wien (1918) der Berliner Munitionsarbeiterstreik (Ende Januar) und dem Matrosenaufstand in Cattaro (Februar) sowie zahlreiche Streikaktionen in den Ententestaaten taten Teile der Bevölkerung ihren Unwillen über den Krieg kund.
1918. Die dt. Oberste Heeresleitung versuchte, in fünf Offensiven die Kriegsentscheidung zu erzwingen. Bei Saint-Quentin (21.3.-6.4.), Armentieres (9.-29.4.), in der Champagne (27.5.-3.6.), bei Noyon (9.-14.6.) und an der Marne (15.-17.7.) gelang es trotz taktischer Erfolge und teilweise beträchtlichen Raumgewinns nicht, die britisch‑französischen Streitkräfte zu zerschlagen.
Durch das Eintreffen der USA-Truppen veränderte sich das Kräfteverhältnis immer mehr zu ungunsten Deutschlands Die erste französische Gegenoffensive bei Villers‑Cotterets (18.7.-3.8.) zwang die deutschen Truppen zum Rückzug hinter die Aisne; bei Amiens durchbrach am 8.8. die Entente die deutsche Verteidigung. Unter großen Verlusten mußten die im Frühjahr eroberten Gebiete wieder geräumt werden. Die an allen Frontabschnitten einsetzenden Offensiven drängten die deutschen Truppen aus Nordfrankreich und Belgien zurück.
Anfang November stand die deutsche Armee in der Antwerpen-Maas-Stellung. Auf anderen Kriegsschauplätzen vollzog sich der Zusammenbruch der Verbündeten Deutschlands Nach dem Durchbrechen der bulgarischen Front in Mazedonien (15.9.) kapitulierte am 29.9. Bulgarien. Die türk. Armee löste sich im Gefolge der Niederlagen in Palästina und Mesopotamien rasch auf. Nach der Kapitulation der Türkei am 30.10. besetzten Ententetruppen die Meerengen und Teile Transkaukasiens. Nach dem Scheitern der Piave Offensive (15.-24.6.) zogen die österreichisch‑ungarischen Truppen in wachsender Demoralisation aus Oberitalien zurück. Die Italiener besetzten Triest (3.11.) und Fiume (5.11.). Gleichzeitig löste sich in raschem Tempo, die Habsburger Monarchie auf.
Am 3.11. wurde der Waffenstillstand zwischen Österreich-Ungarn und der Entente abgeschlossen.
Die rapide Verschlechterung der militärische Lage an den Fronten und die Verschärfung der polit. Situation im eigenem Land hatten die Oberste Heeresleitung bereits bezwungen, von der Regierung sofortige Waffenstillstandsverhandlungen zu fordern (29.9.). Die deutsche Militärmaschine sollte dadurch als intaktes Instrument erhalten bleiben. Die neugebildete Regierung ersuchte (4. 10.) Wilson um Waffenstillstand auf der Grundlage seiner am 8.1.1918 entwickelten 14 Punkte. Inzwischen erreichte die revolutionäre Bewegung in Deutschland ihren Höhepunkt. Ende Oktober widersetzten sich die Matrosen dem selbstmörderischen Auslaufbefehl der Flottenleitung. Von Kiel aus sprang der revolutionäre Funke auf ganz Deutschland über. Überall entstanden Arbeiter- und Soldatenräte; am 9.11. wurde in Berlin die Republik ausgerufen.
In Compiegne wurde am 11.11. der Waffenstillstand unterzeichnet.' Er bestimmte die kurzfristige Räumung der besetzten Gebiete und Elsaß-Lothringens, die Auslieferung der Flotte und Luftwaffe sowie großer Mengen von Kriegsmaterial. Die im Osten stehenden deutschen Truppen sollten erst nach dem Eintreffen von Ententestreitkräften abgezogen werden.
Seekrieg. Die brit. Flotte begann 1914 mit der Organisierung einer wirkungsvollen Fernblockade, die Deutschland von den überseeischen Zufuhren abschnitt. Da die deutsche Flotte der britischen kräftemäßig unterlegen war, beabsichtigte die deutsche Marineleitung, zunächst durch den Minen- und U-Bootkrieg ein günstigeres Kräfteverhältnis herzustellen.
Einzelne Vorstöße der beiden Flotten endeten in den Gefechten bei Helgoland (28.8.1914) und an der Doggerbank (24.1.1915) mit deutschen Verlusten. In der Skagerrakschlacht (31.5. bis 1.6.1916) scheiterte der Versuch, die britische Blockade zu durchbrechen.
Die in den überseeischen Gewässern befindlichen deutschen. Kriegs- u. Handelsschiffe wurden nach kurzer Zeit von der Entente vernichtet oder erbeutet. Nach dem Sieg bei Coronel (1.11. 1914) an der chilenischen Küste wurde das deutsche Kreuzergeschwader bei den Falklandinseln südöstlich von Argentinien versenkt (8.12.1914). Die deutschen Kreuzer im Mittelmeer bracher nach Konstantinopel durch und gingen in türkischen Besitz über.
Der seit 1915 von deutschen Hilfskreuzen geführte Kaperkrieg blieb ohne Einfluß auf da; weitere Kriegsgeschehen.
Erstmalig erfolgte 1914 der Kriegseinsatz von U-Booten. Nach der ersten Erfolgen (22.9.1914 drei brit. Kreuzer durch ein deutsches U-Boot versenkt) wurde im Februar 1915 der U‑Boot‑Handelskrieg gegen Großbritannien eröffnet, aber auf die diplomatische Intervention der USA hin wieder eingeschränkt, Der uneingeschränkte U‑Boot‑Krieg ab 1.2.1917 brachte zunächst große Erfolge, die Entente verstärkte aber ihre Abwehrmaßnahmen (Geleitzüge) und beschleunigte den Neubau. Die auf diesen U-Boot-Krieg gesetzte Hoffnung, in sechs Monaten Großbritannien zum Frieden zu zwingen, scheiterte. Ende Oktober 1918 wurde der uneingeschränkte U-Boot-Krieg eingestellt.
Luftkrieg. Die wenigen Flugzeuge dienten 1914/15 vorwiegend zur Aufklärung. Gleichzeitig wurde aber auf beiden Seiten mit dem beschleunigten Aufbau von Luftstreitkräften begonnen. Die Zeppelinangriffe auf Paris u. brit. Städte 1915/16 hatten wenig Erfolg. 1916 wurden erstmals geschlossene Geschwader zur Unterstützung der Infanterie eingesetzt. Um die britisch-französische Überlegenheit zu beseitigen, sah das im Juli 1917 verkündete deutsche „Amerika-Programm" die Steigerung der Flugzeugproduktion um das Doppelte vor.
Trotz annähernder Erfüllung dieses Planes blieb die Unterlegenheit bestehen, da die Entente ihre Luftstreitkräfte noch schneller vergrößerte.
Krieg in den Kolonien. Während des Krieges wurden alle deutschen Kolonien besetzt. Überlegene britisch-französische Truppen zwangen die schwachen deutschen Einheiten in Togo (26. B. 1914), Südwestafrika (9. 7. 1915) und Kamerun (Februar 1916) zur Kapitulation. Die Japaner eroberten Tsingtau (7.11. 1914) und vergrößerten ihren Einfuß in China (18.1.1915 ; „21 Forderungen" an China). Die deutschen Truppen in Ostafrika konnten sich nach einigen Erfolgen durch Märsche und Vorstöße nach Portugiesisch-Ostafrika und Britisch-Rhodesien(1917/18) dem konzentrierten Angriff der überlegenen Gegner entziehen. Sie kapitulierten am 14.11.1918.
Die Menschenverluste betrugen über 10 Mill. Tote und 20 Mill. Verkrüppelte und Verwundete. Zahlreiche Städte, Dörfer und Industrieanlagen waren zerstört, die Gesamtkosten des Krieges wurden auf 1300 Md. Mark geschätzt. Mit Ausnahme der USA waren alle kriegführenden Staaten stark verschuldet, die USA aber hatten sich aus einem Schuldner in einen internationalen Gläubiger verwandelt.
Ein Ergebnis des Krieges war die Entstehung des ersten sozialistische Staates der Welt.
Auf dem Territorium Österreich-Ungarns wurden neue bürgerliche Staaten gegründet: Österreich, Ungarn, die Tschechoslowakei und Jugoslawien; auch Polen entstand als selbständiger Staat wieder.
Mit den besiegten Ländern wurden Diktatfrieden abgeschlossen:
mit Deutschland. der Vertrag von Versailles (18.6.1919),
mit Österreich der Vertrag von Saint-Germain (10.9.1919),
mit Bulgarien der Vertrag von Neuilly (27.11.1919) und
mit der Türkei der Vertrag von Sevres (10.8.1920), revidiert in Lausanne am 24.7.1923)