Die Entwicklung des Braunkohlenbergbaues rund um die
Gemeinde Sandersdorf
von Susanne Gräf
Die Gemeinde Sandersdorf, 4,5 km westlich von Bitterfeld gelegen, hatte bis etwa 1840 ein rein landwirtschaftliches Gepräge, wurde aber bei Inangriffnahme der Auskohlung völlig von Gruben umfaßt, so daß die Ackerflur fast vollständig verloren ging.
Sandersdorf entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten immer mehr zur Arbeitereinsitzgemeinde, was einige Zahlen belegen sollen.
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Jahr |
Einwohner
ges. |
Häuserzahl
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1818 |
227 |
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43 |
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1828 |
300 |
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48 |
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1842 |
300 |
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48 |
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1885 |
1628 |
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113 |
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1928 |
4394 |
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410 |
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1934 |
5997 |
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1947 |
7470 |
(davon
1838 Umsiedler) |
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1955 |
7180 |
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1990 |
7474 |
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1995 |
7255 |
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1998 |
7127 |
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Der statistische Jahresbericht vom 01.01.1947 zeigt deutlich, wie sich das Verhältnis der in der Landwirtschaft und in der Industrie tätigen Bevölkerung verschoben hatte.
Industrie und Handwerk = 6270 Personen
Land- und Forstwirtschaft = 50 Personen
Handel und Verkehr = 350 Personen
Öffentlicher Dienst = 200 Personen
Die Voraussetzungen für die industriell-wirtschaftliche Entwicklung des Kreises Bitterfeld freilich wurden schon lange vor der Erschließung der ersten Kohlengrube geschaffen.
Dr. Otto Splett schreibt dazu 1922 in seiner Abhandlung „Der Bitterfelder Braunkohlenbergbau“ folgendes: „Von allergrößter Bedeutung für die Entwicklung des Kohlenbergbaues, wie überhaupt jeder Industrie, ist die Lage zu den Zentren des Verbrauches, die Ausstattung und Verkehrslinien dort hin und die Lage zu den konkurrierenden Kohlenrevieren.
Beim Übergang des Kreises Bitterfeld an Preußen (1815) durchschnitt eine große Heerstraße das jetzige Kohlengebiet, die Post- und Handelsstraße, die von Leipzig über Holzweißig, an Bitterfeld vorbei, über Wolfen nach Dessau und Magdeburg führte. Im übrigen wurde das Gebiet in weiterer Entfernung durch die große Straße von Leipzig über Landsberg, Zörbig nach Magdeburg und die Straße von Halle über Zörbig, Löberitz, Salzfurt in die Mark eingerahmt. Von größter Bedeutung wurde dann in den Jahren 1823/24, also noch vor Aufnahme des Kohlenbergbaues, der Bau der großen Berlin-Casseler Kunststraße, die von Berlin über Wittenberg, Gräfenhainichen, Bitterfeld, Brehna nach Halle führte und einige Jahre später der Bau der Anschlußstrecke von Bitterfeld an die Chaussee nach Leipzig. Dieser Straßenbau hatte zur Folge, daß das wirtschaftliche Schwergewicht des Kreises von Düben, wo es bisher lag, nach Bitterfeld verlegt wurde, wo jetzt die große Posthalterei sich befand. Die Straßen, wozu noch einige Kreischausseen und gebesserte Straßen kamen, bildeten für den ersten Aufbau des Bitterfelder Kohlenabsatzes das Gerippe. Eine neue Orientierung erhielt dieser durch den Bahnbau, der sich freilich im allgemeinen an das bestehende große Straßennetz anlehnte. Im Jahre 1856 wurden die ersten Spatenstiche zum Bau der Zweigbahnen der Berlin-Anhalter Bahn von Wittenberg und Dessau über Bitterfeld nach Halle und Leipzig in Bitterfelder Flur getan. Im Jahre 1857 wurde die Strecke Dessau-Bitterfeld feierlich eröffnet. Noch in dem selben Jahr bzw. 1858 folgten die Anschlüsse nach Halle, Leipzig und Wittenberg. Bitterfeld wurde damit zum großen Bahnknotenpunkt, was für die wirtschaftliche Entwicklung des Braunkohlenbergbaues von entscheidender Bedeutung werden sollte. Damit erschlossen sich die großen Märkte der Städte Dessau, Halle, Leipzig, Wittenberg und in zweiter Linie Magdeburg, Jüterbog, Luckenwalde und Berlin. Das Jahr 1897 brachte dann noch durch eine Verbindungsbahn von Bitterfeld über Sandersdorf, Zörbig nach Stumsdorf den Anschluß an die Strecke Halle-Magdeburg.“
Damit war der zweite Schritt zur industriellen Entwicklung des Kreisgebietes vorerst abgeschlossen.
Die entscheidenden Weichen für die Entwicklung der heimischen Industrie wurden aber nicht in Bitterfeld, sondern in Berlin, rund 80 Jahre zuvor, gestellt. Nach Aufhebung der Kontinentalsperre strömten besonders englische Industrieerzeugnisse nach Deutschland hinein. Diese Erzeugnisse waren, auf Grund der schon fortgeschrittenen industriellen Entwicklung Englands, besser und billiger als die deutschen Erzeugnisse. Zudem wurden die deutschen Waren durch viele Zölle innerhalb Deutschlands, 1819 gab es immerhin achtunddreißig Zoll- und Mautlinien, stark verteuert. Auf Grund der wirtschaftlichen Entwicklung sah sich Preußen daher gezwungen, alle Binnenzölle aufzuheben. Als Ausgleich wurden nun an den Grenzen Preußens Schutzzölle erhoben. Von nun an machte die Industrialisierung des Landes sehr große Fortschritte. Preußen wurde zum stärksten Wirtschaftsfaktor in Deutschland. Damit war der erste Schritt in Richtung Industrialisierung abgeschlossen.
Nachdem die Voraussetzungen geschaffen waren, begann im Kreis Bitterfeld die Entwicklung des Braunkohlenbergbaues und der Industrie.
Die war in 4 Etappen gegliedert.
1. Grundeigentümer eröffnen kleine Kohlengruben. Überstiegen Investitionen den Gewinn, wurden sie sehr schnell geschlossen.
2. Gesellschaften, in denen oft (nicht immer) Grundeigentümer und Kapitalgeber gemeinsam Gruben und Tagebaue eröffneten. Sie waren in der Lage, Gerinn-Verluste zu verkraften. Zeichnete sich ab, daß es zu einem Gewinnzuwachs kommen könnte, waren Kapitalgeber oft bereit, z. B. für Technik mehr Geld zu investieren.
Eine Steigerung der Handlungsfähigkeit von Gruben und Tagebauen brachte dann später die Umwandlungen in Aktiengesellschaften.
3. Mit der Ansiedlung der Chemie in unserem Kreis erwuchsen neue Besitzverhältnisse, die dazu führten, daß die Industrie die Kohlengruben erst durch langfristige Verträge und dann durch Kauf derselben an sich banden.
4. Da die chemische Industrie, besonders im 1. Weltkrieg, ständig neue Anlagen baute bzw. vorhandene erweiterte, stieg auch der Bedarf an Kohle. Da die Kohlemenge, die gebraucht wurde, immer mehr anstieg, mußte im immer stärkeren Maße Technik in den Tagebauen, anfangs nur im Abraum, dann auch in der Kohleförderung, eingesetzt werden.
Der Kreis Bitterfeld hat sich wegen der verfügbaren Braunkohle- und Salzvorkommen, des ausreichend vorhandenen Wassers, der verkehrstechnisch günstigen Lage, den sehr günstigen Grundstückspreisen und den vorhandenen Arbeitskräften schnell zu einem Industriezentrum entwickelt. Tausende von Arbeitern, Handwerkern, Ingenieure und Wissenschaftler zog es in den Kreis Bitterfeld. Die Gemeinden um das Industriegelände wuchsen und gediehen.
Die Belegschaft aller Betriebe der Groß- und Kleinindustrie und des Bergbaues im Landkreis Bitterfeld wurde 1928 mit 23.926 beziffert.
Bei der I.G. Farbenindustrie AG fanden 1914/18 = 14.000 Personen, 1939 = 33.000 Personen und 1941 ca. 45.000 Personen Arbeit.
Der Chronist von Sandersdorf, Gustav Krug, schreibt dazu 1929: „Während und nach dem Krieg entfalten sich diese Riesenwerke erst zu ihrer jetzigen Größe.
Im Jahre 1895 waren 120 Arbeiter in der Bitterfelder chemischen Industrie beschäftigt; 12 Jahre später waren schon 2.200 Arbeiter beschäftigt.
Vielgestaltig sind die Erzeugnisse der chemischen Industrie Bitterfeld: Aluminium und Leichtmetalle, Entwickler, Anilinfarben, Kunstseide, Agfafilme, Düngemittel, Aetzkali, Pottasche, Phosphor, Wasserstoff, Edelsteine, Gas usw. Die chemischen Werke gehören, mit Ausnahme von dem Salzbergwerk Neustaßfurt, jetzt alle den I. G. Farbenwerken AG an.“
1870 - 1933
1870
Bankier
Calm und Bankier Ahlfeld und Co. gründen die Grube Antonie als Offene
Handelsgesellschaft. Die Kohleförderung erfolgt mit Kettenbahnen. Der Grube ist
eine Ziegelei an der Ostgrenze des Grubenfeldes zugeordnet.
1888
-Einsatz eines Bahnaufsichtsbeamten
-Die Grube besitzt Gleisanschluss.
1916
Die Grube Antonie wird mit der Grube Marie zusammengeschlossen.
1918
Besitzer: Elektrochemische Werke
Kohleförderung: etwa 400 t/Tag
Belegschaft: 135 Personen
1925
Kohle wird bis Ende der 20er Jahre nur noch von Restflächen gefördert.
Lange vor 1945 nutzen die Elektrochemischen Werke und die Chemische Fabrik Griesheim die Grube Antonie als Deponie.
Fördermenge:
1905: 172 613 t
Laut
„Bitterfelder Kreisblatt“(1885) hatte die Grube „Antonie“ 1984 :
4 Dampfmaschinen
2 Brikettpressen
4 Öfen
4 Schornsteine
mit den Feldern Nr. 64, 222, 297
1847 - 1933
Neueinrichtung 1934
1847
Der Mühlenbesitzer Karl Friedrich Otto aus Halle und der Rittergutsbesitzer Karl Ludwig Hersleben aus Köckern gründen die Deutsche Grube ( Unterlagen des Museums Bitterfeld nennen den 15.4.1848 als Gründungszeitpunkt).
Beschäftigte: 24 Mann
Gleich nach der Gründung wird eine Handstrichziegelei errichtet.
1847
Beginn der Kohleförderung. Beliefert wurde u.a. die Zuckerfabrik in Quetz.
1848
Aufstellung der ersten Dampfmaschine.
1849
Dezember: Herr Gustav Bauermeister wird Grubenvorstand und Mitbesitzer erwähnt.
Belegschaft: Es waren 24 Männer, davon 13 im Abraum, 7 in der Kohleförderung und 4 beim Abteufen des Schachtes beschäftigt.
1851
Mühlenbesitzer Otto scheidet aus dem Unternehmen aus.
1854
Der Transport der Kohle erfolgt mit Seil- und Kettenbahnen. Der Abraum wird bei Aufschluß der Grube mit Handkarren , dann aber in den folgenden Jahren mittels Schienenbahn ( Wagen mit 2 cbm Inhalt ) transportiert.
Am 15.11. scheidet auch Rittergutsbesitzer Harsleben aus,
Bauermeister ist nun alleiniger Besitzer.
1855
Erster Versuch der Verschwelung der Bitterfelder Kohle.
1856
Bau einer Mineralöl- und Paraffin- Fabrik. Sie bestand, nach mehreren mißglückten Versuchen auf dem Gebiet der Verschwelung, noch bis 1875 als Photogen Fabrik.
1857
Realisierung eines Bahnanschlusses
1865
Erste Mauersteinpresse wurde in der Ziegelei errichtet.
1871
Louis Bauermeister, später Kommerzienrat, übernimmt als Nachfolger seines Vaters die Grubenleitung.
1872
Errichtung einer Brikettfabrik mit zwei Pressen.
1879
Errichtung einer zweiten Brikettfabrik mit zwei Pressen
1880
Drei Pressen in Betrieb.
1882
Bau einer dritten Brikettfabrik mit drei Pressen
1886
Errichtung einer Tonröhrenfabrik
1890
Die zuletzt gebaute Brikettfabrik wird um 6 Pressen erweitert.
Herstellung von 75 000 t Brikett im Jahr.
1899
Die Deutsche Grube und das Salzbergwerk Neustaßfurt (Fabrik für Elektrolyse von Ätzkali) werden durch eine Drahtseilbahn verbunden
1907
Gründung der Aktiengesellschaft "Deutsche Grube" mit einem
Kapital von 2 500 000 Mark in Familienbesitz.
Kapital war in 200 Aktien zu 5 000 Mark und
1500 Aktien zu 1000 Mark zerlegt.
1918
Verkauf der Deutschen Grube an die Agfa (später Filmfabrik Wolfen)
1920
Belegschaft: 600 Personen Die Jahresförderung lag bei 500 000 t.
1928
Es wird eine Feldziegelei hinter der Gartenanlage „Kühler Morgen“ erbaut.
1929
Da der Brikettabsatz immer weiter zurück ging, wurden die drei Brikettfabriken zu einer Fabrik zusammengefaßt (Umbau), es waren offensichtlich nur noch 5 Pressen in Betrieb. Kohle wurde aus der „Auguste“ und der Theodor geliefert. Dampf bekam die Fabrik aus dem „Kraftwerk Süd“ der IG Farben.
1933
Stillegung der Grube
1934/35
Neueinrichtung der Grube.
1935
Inbetriebnahme eines Baggers D 1000 (Weltgrößtes Abraumgerät).
Jahresleistung 1939 ca. 12 Millionen cbm Abraum.
1936
Einsatz des Schaufelradbaggers SRs 150 im Abraumvorschnitt.
Kippenseitig wurden zwei Absetzer mit Bandausleger und 750 Liter Eimerinhalt für Hoch und Tiefschüttung eingesetzt.
1937
Brikettherstellung: 11 800 t im Jahr.
Belegschaft :87 Personen
Später Erweiterung auf 6 Pressen und 6 Tellertrockner.
Jahresleistung nun: 195 000 t
1942
Die Spurbreite der Abraumzüge wird in diesem Jahr von 900 mm, auf Normalspur 1435 mm umgestellt.
1948
BKW „Freiheit“
1967
30.Juni Stillegung der Brikettfabrik.
Mächtigkeit Deckgebirge: 7,4 – 14 m
Kohleflöz: 2,3 – 17 m
Kohleförderung: 1857 25 819 t
1859 69 184 t
1861 62 180 t
Laut
„Bitterfelder Kreisblatt“(1885) hatte die „Deutsche Grube“ 1984 :
3 Brikettfabriken
2 Dampfziegeleien
1 Röhrenfabrik
mit 24 Dampfmaschinen, 8 Brikettpressen, 3 Lokomobilen, 1 Ringofen, 13 Schornsteinen, 3 Förderungen, 3 Kettenbahnen, 1 Seilbahn, 3 Ziegelpressen und 1 Röhrenpresse.
Deutsche
Grube war Mitglied des Mitteldeutschen Braunkohlensyndikats, mit einer
Beteiligung von 21 000 Mark (Stammkapital 1910 : 168 900 Mark).
1926 Mitglied des Vereins Bitterfelder Industrieller.
1842 - 1944
1842
Aufschluß der Grube „Richard“ ( Richard I )durch die Schmidt & Co GmbH
1845
Grube Möhhring (aufgeschlossen 1844) wird aufgekauft.
1847
Rittergutsbesitzer Heßling aus Leipzig eröffnet die Grube Richard offiziell.
Nr.62 von Richard übernommen.
Die Grube Richard markscheidet mit der Grube Auguste.
Es wurden drei Schächte getäuft, mindestens einer diente als Förderschacht, über welchen die Kohle an die Oberfläche gebracht wurde. Zu den Schächten führte ein unterirdisches Streckensystem.
1848
Aufstellung einer Dampfmaschine.
Mehrfacher Besitzwechsel in den nächsten Jahren.
1854-1905
wurde südlich der Schachtanlage das erste Teilfeld des Tagebaus Richard ausgekohlt. Grube „Richard I“ ist Bestandteil dieses Feldes.
1858/59
Verkauf der Grube an F.A. Schmidt und F.W. Schmidt. Später wird Posthalter Hilmar Schmidt, Bitterfeld, Alleineigentümer.
1877
Beginn der Auskohlung des Teilfeldes zwischen Ramsiner Straße und Pfingstanger. Begrenzung dieses Teilfeldes waren die Straßen von Ramsin nach Sandersdorf im Westen und die Fernverkehrsstraße nach Zörbig im Norden, welche 1889 erreicht wurde. Um das dritte Teilfeld auszukohlen, nördlich der Fernverkehrsstraße, mußte diese durchörtert werden.
1890
Inbetriebnahme einer neuerrichteten Brikettfabrik.
Beginn des Abbaus im 3. Teilfeld.
1899
Gründung der „Grube Richard“ GmbH, mit einem Stammkapital von 355 200 Mark.
1920
Die Kohleförderung erfolgt von Hand und mit Karren. Später werden zwei Kettenbahnen von 2000 m Länge eingesetzt.
1921
Zu dieser Zeit wird der Abraum mit Dampfbagger abgeräumt.
1925
Beim Abbau des nördlichen Teils des Ostfeldes war ein Bagger im Abraum im Einsatz.
1930
Ende des Abbaus im nördlichen Teil des Ostfeldes.
1932
Auf der verkippten Fläche eines Teilfeldes wird die Kleingartensparte "Kühler Grund" angelegt.
1944
Die Grube hinterläßt vier Restlöcher. Zwei davon sind wassergefüllt und dienen als Biotope. Die Angler gehen dort ihrem Hobby nach.
Mächtigkeit Deckgebirge: 2,5 – 9,74 m
Kohleflöz: bis 15,15 m
Kohleförderung: 1859 173 554 t mit 39 Arbeitern
1864 123 776 t
1909 184 067 t
Laut
„Bitterfelder Kreisblatt“(1885) hatte die Grube Richard 1984 :
2 Dampfmaschinen
2 Brikettpressen
3 Öfen
4 Schornsteine
„Möhring“:
2 Dampfmaschinen
1 Brikettpresse
2 Schornsteine
Am Pfingstanger gegenüber dem Kesselhaus der Grube Richard, steht ein kleines Häuschen. Jahrzehntelang hat es als Schmiede gedient, so manche Stange Eisen mag darin geschmiedet sein. Bei der Entwicklung des Motorverkehrs, nicht zuletzt beim Befahren dieses nach Zscherndorf führenden Weges mit den Postkraftwagen verdeckt das Häuschen die Sicht für die Motorführer. Nunmehr wird es wohl nach Verhandlungen mit dem Besitzer im Interesse des Verkehrs abgerissen werden müssen.
21.
März 1929 „Bitterfelder
Tageblatt“ Nr.: 68
Seite 7
In einer Werkstatt der „Grube Richard“ explodierte gestern ein Schweißapparat. Der Deckel flog durch das Dach etwa 20 Meter hoch, der Luftdruck zerstörte Dach und Wände des Raumes. Verletzt wurde glücklicherweise niemand.
25.
März 1929 „Bitterfelder
Tageblatt“ Nr.: 96
Seite 8
Selbstständiger, unverheirateter Gärtner erfahren in Parkpflege, Obst- und Gemüsebau zum 15. März gesucht.
1872 - 1944
1872
Erschließung der Grube
Im gleichen Jahr Verkauf an die Keferstein,Köppen & Comp OHG Kohlengrube Louise, Ziegelei und Tonwarenfabrikation.
1873
Gründung der "Bitterfelder Louisen Grube AG, Kohlenwerk und Ziegelei“
1880
Die AG überträgt die Abraumarbeiten als erste Grube, im Bitterfelder Revier, an ein Tiefbauunternehmen, der Firma H. Brauns aus Goslar. Das Tiefbauunternehmen setzte den ersten Trockenbagger mit einer Tagesleistung von 2000 cbm ein. Der Abraum wurde mit einer Schmalspurbahnen abtransportiert
1891/92
Eine Erkundung der Kohlenvorräte wird mit 325,37 m die bis dahin tiefste Bohrung im Revier geteuft.
1894 (6.1.)
Kohlenliefervertrag mit der Chemischen Fabrik Elektron AG wird abgeschlossen.
Täglich sollten 805 - 986 t Kohle geliefert werden.
Die Möglichkeit einer Steigerung bis zu 2 455 t/Tag war ebenfalls Inhalt des Vertrages.
1901
Der Aufsichtsrat der Louisengrube AG:
Oberinspektor Gottlob Schmidt, Vorsitzender
Rittergutsbesitzer Willy Lorenz
Dr. Schmidt
Rittergutsbesitzer Paul Schmidt
Aktienkapital: 387 500 Mark
Reingewinn 1899: 154 169 Mark
1902
Louisen AG läßt den Wassermangel in Sandersdorf untersuchen, dessen Ergebnis im März vorgelegt wird.
1907
Aufschluß des Tagebaues „Karl Ferdinand“ Ost ( bis 1920 ).
1910
Ankauf der Grube Vergissmeinnicht / Ehrich
1910
Mit „Karl Ferdinand“ Ost und West, „Ehrich“ (2.Baufeld) und „Vergißmeinnicht“ hatte die Louisengrube zeitweise 4 Tagebaue gleichzeitig in Betrieb, alle hatten Gleisanschluß.
1914
„Karl Ferdinand“ West ist ausgekohlt ( Im Gebiet der heutigen Nordstraße - Ring der Chemiearbeiter - Bahnhof hatte direkten Bahnanschluß) Tagebaufeld Karl Ferdinand West wird 1898 aufgeschlossen geht 1903 in den Besitz der Grube „Vergißmeinnicht“ über, welche dann 1910 von „Louisengrube“ AG übernommen wird.
1916
Eine Brikettfabrik, eine Dampfziegelei und eine Naßpreßsteinproduktion gehören zum Werk. Weitere Kohlenfelder werden gekauft.
1921
Beginn des Aufschlusses des Tagebaus Grube Stakendorf durch die Aktiengesellschaft.
1934
Förderung von 399.127 t Braunkohle aus den Tagebauen
1940
Mit dem Grundbucheintrag über das Braunkohlenfeld Goitzsche erhält die Louisen Grube AG die Abbauberechtigung.
1946
Tagebau „Karl Ferdinand“ Nord wird aufgeschlossen und besteht unter dem Namen „H. Fahlke“ (1948 umbenannt) bis 1951.
Laut „Bitterfelder Kreisblatt“(1885) hatte die Grube Louise 1884 :
6 Dampfmaschinen
1 Ziegelpresse
1 Kettenbahn
4 Brikettpressen
2 Schornsteine
Kohleförderung: 1864 70.138 t
1889 253.869 t
1895 329.364 t
1899 398.066 t
1885
Mitglied in der „Vereinigung Bitterfelder Kohlenwerke“
Grube
Louise war Mitglied des Mitteldeutschen Braunkohlensyndikats,
1909
Mitglied des Verkaufsverein „Bitterfelder Braunkohlenwerke“ GmbH
1926 Mitglied des Vereins Bitterfelder Industrieller.
Forstergrube:
1923
Die
Grube wird westlich der Ortslage Sandersdorf durch die "Bitterfelder
Louisen Grube Kohlenwerk und Ziegelei
AG" aufgeschlossen.
1921
Beginn der Kohleförderung
Die Brikettfabrik und die Ziegelei werden versorgt.
1930
Die Kohleförderung erfolgt im Zweischnittbetrieb mit einem Dampflöffelbagger im Hochschnitt und einem Bagger im Tiefschnitt.
Die Kohle wird mit Zügen transportiert. Ab Mitte des Jahres sollen die Züge direkt zum Bunker der Brikettfabrik fahren. Die dazu notwendige Kreuzung der Strecke Bitterfeld-Stumsdorf wird genehmigt.
1943
Bis zu diesem Jahr wird Kohle gefördert.
1943 – 46
Abraum vom Tagebau Thalheim-West wird in der Grube Stakendorf verkippt. Die Deutsche Reichsbahn nutzt die Grube nach dem zweiten Weltkrieg zeitweise als Asche und Bauschuttdeponie. Westlich des an der Böschung (des Restloches) gelegenen Forsthauses wird nach der Füllung mit Wasser durch die Gemeinde Sandersdorf ein Strandbad eingerichtet.
1958
Am 25. Mai 1958 wird das Sandersdorfer Strandbad feierlich eröffnet. Die Wasserfläche umfaßt 36 ha.
1903
Erschließung der Grube Elsa durch eine GmbH
1915
Die Agfa kauft die Grube Elsa auf. Die Agfa kauft die Grube Elsa auf.
1916
Die Grube Elsa geht in das Gesamtfeld der Grube Hermine ein. Zuvor war die Grube Elsa eigenständig. Die Grube Elsa geht in das Gesamtfeld der Grube Hermine ein. Zuvor war die Grube Elsa eigenständig.
1871
Grube
Marie wird südlich des Ostfeldes der Grube Antonie erschlossen. Die Kohleförderung
erfolgt per Kettenbahn. Eine Dampfziegelei mit Standort in Schachtnähe gehört
dazu.
1877
Als erste Grube im Revier wird hier die Kohleförderung mit Hunten und Endlosketten vorgenommen. Als erste Grube im Revier wird hier die Kohleförderung mit Hunten und Endlosketten vorgenommen.
1915
Zusammenschluß mit Grube Antonie
1916
Im Februar geht die Grube vom bisherigen Eigentümer (Friedrich Heuer) in den Besitz der Elektrochemischen Werke GmbH Berlin über.
1924
Die Grube Marie wird an die Chemischen Werke Griesheim verpachtet. Sie geht später vollständig an diese über.
1921
Der letzte Abraum wird von der Grube Marie gewonnen.
1927
Die IG Farbenindustrie Frankfurt/Main wird Rechtsnachfolgerin.
1928
Kohleförderung:
Grube Marie und Grube Antonie
75.000 t Rohkohle
1931
Am
20.07.1931 erfolgt die Anzeige der Stillegung der Grube Marie wegen Erschöpfung
der Kohlevorräte beim Preußischen Oberbergamt Halle.
1875
Erschließung der Grube durch den Maurermeister W. Richter
1879
Die Hermine geht in den Besitz der "Kohlenwerk-Hermine-Dampfziegelei und Brikettfabrik" P. Benndorf über. Der Abraumbetrieb wird von Tiefbauunternehmen besorgt.
Belegschaft: 400 Personen
Die Kohle wird mit zwei Drahtseilbahnen (je 1500m lang) gefördert.
1885
Zum Grubenbetrieb gehören 9 Dampfmaschinen, 2 Pressen und 6 Öfen. Zum Grubenbetrieb gehören 9 Dampfmaschinen, 2 Pressen und 6 Öfen.
1888
Fördermenge: 2.130.866 hl
1897
Die Hermine wird GmbH.
Sie geht dann in den Besitz der Elektrochemischen Werke über.
1910
Die
Anteile der GmbH werden von der Aktiengesellschaft für Anilinfabrikation (Agfa)
erworben.
1928
Fördermenge: 686.000 t Kohle
Belegschaft: 192 Personen
1941
Schließung der Grube
Holzweißig erhält den größten Teil.
Heute früh ging dem hiesigen Landratsamt die endgültige Verfügung der Regierung betreffend die Verteilung der Goitzsche zu. Die Zuteilung datierte rückwirkend vom 1. März 1929. Die offizielle Übernahme wird mit dem Tage der Veröffentlichung im amtlichen Verordnungsblatt (am 23.März 1929) erfolgen.
20.
März 1929 „Bitterfelder
Tageblatt“ Nr.: 67
Seite 2
25
Jahre Arbeitstreue.
Am 3. April ist der Bergarbeiter Friedrich Voigt aus Heideloh 25 Jahre ununterbrochen bei der Louisengrube beschäftigt. Dieselbe Zeit ist am 4. April Friedrich Sauermann aus Zöberitz auf demselben Werke tätig.
Quelle: BTb Ausgabe Nr. 80 vom 04.04.1930, Seite 5
In den frühen Morgenstunden des Freitag nahm der Landjägermeister aus Sandersdorf einen Ortsfremden fest, der in der Grube Hermine Kabelleitungen stehlen wollte und hierbei gestört wurde. Der Täter, ein jetzt stellenloser Schuhmacher, war in Bitterfeld und Umgebung beschäftigt und ist schon mehrfach vorbestraft. Verschiedenes Diebeshandwerkszeug wurde ihm abgenommen.
Quelle:
BTb Ausgabe Nr. 121 vom 24.05.1930, Seite 6
Der Kutscher Karl Teutschbein war gestern 25 Jahre bei seinem Arbeitgeber, der Bitterfelder Louisengrube beschäftigt. Die Erinnerungsmedaille des Deutschen Braunkohlen-Industrievereins wurde ihm neben weiteren Ehrungen behändigt.
Quelle:BTb Ausgabe Nr. 172 vom 25.07.1930, Seite 5
Das bekannte Lager des F.A.D. in der Grube Marie (Sandersdorf) stand bisher unter der Trägerschaft der Arbeit und des Dienstes der Jugendwerkstätten Bitterfeld.
Laut Verfügung der Reichsstellen für F.A.D. sind sämtliche von privater Seite eingerichtete Arbeitslager der Dienstträgerschaft der Wehrsportverbände zu übergeben.
In diesem Sinne hat auch der Bezirkskommissar für F.A.D. beim Landesarbeitsamt Erfurt den Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, als Träger des Dienstes für dieses Lager bestellt.
Die Übernahme durch den Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, erfolgte heute Montag nach vorangegangenen Vereinbarungen der Jugendwerkstätten mit den beiden Wehrsportorganisationen. Zur Feier der Übernahme war ein Zug der 2. Wehrsportkompanie des Stahlhelms mit Musikkorps der Ortsgruppe Sandersdorf angetreten. Superintendent Krüger und Oberingenieur Quack übergaben als Träger der Arbeit das Lager an den Untergau Bitterfeld des Stahlhelms als Träger des Dienstes.
Der Führer des Untergaues, Kd. Herfurth, übernahm das Lager mit einer kurzen Ansprache an die Arbeitsdienstfreiwilligen über Sinn und Zweck des freiwilligen Arbeitsdienstes und seiner Wehrsportausbildung. Er stellte fest, daß über diesem Lager von Anfang an die ruhmreichen Farben Schwarz- Weiß- Rot geweht haben. Zu dieser Fahne trat durch eine feierliche Flaggenhissung am 4. Mai die Hakenkreuzfahne als Symbol der nationalen Erhebung. Der Untergauführer betonte die Hochachtung der Soldaten der grauen Front vor ehernen Symbolen und verkündet, daß der Stahlhelm als nunmehriger Träger des Dienstes seine alte Kriegsflagge den beiden anderen Symbolen hinzufügt.
Unter den Klängen des Deutschlandliedes gingen alle drei Ehrenzeichen an den Masten hoch. Das Horst Wessel- Lied und der Stahlhelm –Bundesmarsch beschlossen die Feier.
Quelle:
B.T. Nr. 118 vom 22.5.1933, S. 5
Heute Dienstag kann die Bitterfelder Louisen- Grube A.G. ihr 60jähriges Bestehen feiern. Die Grube bestand als solche bereits länger, am 16. Mai 1873 wurde sie in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Unter jahrzehntelanger Leitung des Direktors Voigt wurde das Kohlenfeld zwischen Bitterfeld und Sandersdorf ausgekohlt, und um 1900 dann das Gelände am Bahnhof Sandersdorf, die Grube Karl- Ferdinand erschlossen. Als 1910 das Gelände der Louisen- Grube zur neige ging, erwarb man die Grube Vergißmeinnicht dazu, die heute den Grundstock bildet. Der jetzige Betrieb umfaßt außer dem Rohkohlenabbau noch eine Brikettfabrik und eine Ziegelei. Seit 25 Jahren stehet die Bitterfelder Louisen- Grube A.G. unter der Leitung der Bergwerksdirektoren Bergwerks- Ingenieur Otto Glockemeier und Hermann Weese. Sie ist sehr gutfundiert, wenn auch der Geschäftsgang der letzten Jahre natürlich ebenfalls unter der Wirtschaftskrise zu leiden hatte.
Quelle:
B.T. Nr. 113 vom 16.5.1933, S. 5
Zscherndorf. Die erste Grube auf hiesiger Flur, die Deutsche Grube, die von 1847 bis 1933 in Betrieb war, verschwindet jetzt wieder. So mancher, der in früheren Jahren hier beschäftigt war und jetzt anderorts in Arbeit steht, wird erstaunt sein, festzustellen, daß dort, wo einst Grubengelände sich breit machte, jetzt wieder fruchttragendes Ackerland entstanden ist. Wie lange Jahre hat es gedauert, bis die Grube ausgebeutet war, und wie schnell ist die Grube wieder zugekippt!
Quelle:NZ Montag, 11. Januar 1937 8. Jahrgang Nr. 10
Gestern nachmittag erfolgte unter dem Vorsitz des Kreisobmannes der DAF. und in Gegenwart des Landrats, des Bürgermeisters sowie Vertretern der SA., des Arbeitsamtes, der Industrie und der Baufirmen die Gründung der Lagergemeinschaft „Marie“, die es sich zur Aufgabe gestellt hat, zur Förderung der Volksgemeinschaft für die nach Bitterfeld verpflichteten auswärtigen Arbeitskameraden durch geeignete Maßnahmen – Bau und Unterhaltung von Unterkunftsräumen – beizutragen. Die Gemeinschaft hat ihren Sitz in Bitterfeld und soll in das Vereinsregister eingetragen werden.
Wir berichteten schon vor acht Tagen über die von der Kreisverwaltung der DAF. in Zusammenarbeit mit der Industrie und den in Frage kommenden Unternehmen des Baumarktes getroffenen Maßnahmen, für die zahlreichen Arbeitskameraden, die von auswärts nach hier verpflichtet wurden und noch verpflichtet werden, würdige und geeignete Unterkünfte herzustellen. Die katastrophale Wohnungsnot in Bitterfeld und in den umliegenden Industriegemeinden ist schuld daran, daß der hier vorhandene Bedarf an Arbeitskräften bei weitem nicht gedeckt werden kann; es fehlt nicht nur an Wohnungen, sondern auch an den einfachsten Schlafstellen. So hat man zwangsläufig behelfsmäßige Unterkunftsräume geschaffen, deren Zustand nicht mehr länger verantwortet werden kann. Diesen Verhältnissen soll die gestern ins Leben gerufene Lagergemeinschaft abhelfen. Darüber jedoch hat die Arbeitsfront keinen Zweifel gelassen, daß es sich hier lediglich um eine Zwischenlösung handelt, die aber unbedingt so lange notwendig ist, als nicht eine entscheidende Wendung auf dem Wohnungsmarkt eingetreten ist.
Wir werden zu gegebener Zeit noch ausführlich auf die nun in Kürze erstehende Unterkunft auf dem Gelände der Grube Marie, die bei der Namensgebung der Gemeinschaft Pate gestanden hat, zurückkommen. Schon am 1. Juni soll der erste Teil der Unterkunft erstellt und beziehbar sein; bis spätestens 15. Juli wird dann die gesamte Unterkunft fertig sein. Die für die Einrichtung und Durchführung erforderlichen Gelder werden von einer Gemeinschaft der großen und mittleren Betriebe in freiwilliger und uneigennütziger Zusammenarbeit übernommen. Der Voranschlag sieht hierfür eine Summe von 178 400 RM. vor, die bereits gezeichnet ist. Die Rückzahlung erfolgt durch einen jährlichen Tilgungsdienst in Höhe von 20 v. H. Die laufenden Verpflichtungen für Unterhaltung, Verwaltung usw. werden durch die laufenden Einnahmen gedeckt, die sich aus den anstelle des sonst zu zahlenden Wegegeldes aufzubringenden Anteilen der Betriebsführer und den in geringer Höhe zu erhebenden Zuschüssen der Lagerbewohner zusammensetzen. Unterkunftsmöglichkeiten werden für 400 Arbeitskameraden geschaffen.
„Lager
Marie“ im Entstehen
Zusammen mit Kreisobmann Pg. S..... überzeugten wir uns gestern vormittag von dem Stand der Arbeiten draußen auf dem Gelände der Grube Marie, wo das große Unterkunftslager für 400 auswärtige Arbeitskameraden im Entstehen begriffen ist. Dieses Lager soll, wie unsere Leser wissen werden, dem leidigen Umstand abhelfen, daß es infolge der katastrophalen Wohnungs- und Raumnot in unserem Bitterfelder Industriebezirk nicht möglich ist, den so dringend hier benötigten Arbeitskameraden, die von weither geholt werden müssen, eine ordnungsgemäße und einwandfreie Unterkunft zu bieten.
Noch im Laufe dieser Woche wird die erste Wohnbaracke bezogen; die ersten 100 Kameraden von insgesamt 400 werden Ende der Woche hier Einzug halten. In vier Wochen, spätestens am 15.Juli, wird das Lager völlig fertig dastehen. Der Lagerführer – der bisherige Kreisbetriebsgemeinschaftswalter und Schkönaer Ortsgruppenleiter Pg. Sch..... – unterrichtete gestern vormittag den Kreisobmann über die Arbeiten der nächsten Tage, die, nachdem die ersten beiden Wohnbaracken bereits fertiggestellt sind, der Inneneinrichtung der Wirtschaftsbaracke gelten werden, wo man gegenwärtig mit der Betonierung des Wirtschaftskellers und der geräumigen Küche beschäftigt ist. Große Holzstapel warten darauf, bei der Erstellung der beiden weiteren Wohnbaracken Verwendung zu finden, für die die Erdarbeiten im Gange sind. Jede der insgesamt fünf Baracken erhält einen in hellem Grün gehaltenen Farbanstrich; die Fensterrahmen und die Längsbalken bekommen einen rotbraunen Anstrich.
Noch sieht der Innenraum zwischen den einzelnen Baracken, in deren Nähe sich die ehemaligen Umschulungswerkstätten der Usa befinden, reichlich verworren und durcheinander aus; nicht lange aber wird es dauern, dann werden hier freundliche Gartenanlagen und Sportplätze das Bild beherrschen.
B.T. = Bitterfelder Tageblatt
NZ = Nationalzeitung
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