Die Feldzüge der römischen Armee in Gallien und Britannien im 1. Jahrhundert v. u. Z.

Nach der Errichtung ihrer Macht im Mittelmeerbecken begannen die Römer, ihre Herrschaft über Gallien, das damals zum größten Teil noch nicht von ihnen erobert worden war, weiter auszudehnen. Sie unternahmen auch einen ersten Versuch, Britannien zu erobern.

In Gallien lebten vor allem keltische Stämme: die Aquitanier im Gebiet zwischen der Garumna (Garonne) und den Pyrenäen, die eigentlichen Kelten (Gallier) zwischen Garumna und Liger (Loire) und noch weiter nördlich die Belger sowie eine Reihe anderer Stämme. Das höchste kulturelle Niveau unter den Stämmen Galliens hatten die Kelten erreicht. Sie waren seßhafte Ackerbauern, die aber auch eine recht entwickelte Viehzucht trieben. Die Kelten lebten in Dörfern, hatten befestigte Zufluchtstätten und zeichneten sich durch kriegerischen Geist und Tapferkeit aus. Die Form der gesellschaftlichen Organisation war bei den Kelten die Gentilgemeinde. Ihr gehörten große Herden und Landparzellen, die von Sklaven bearbeitet wurden. Die Zahl der verarmten Kelten, die abhängig von den Großgrundbesitzern und Viehzüchtern waren, nahm ständig zu. Sie mußten Grundzins zahlen und verschiedene Dienste leisten, wozu auch der Militärdienst in den Gefolgen einzelner Vertreter der Aristokratie gehörte. Die keltischen Führer waren ständig von einer Gefolgschaft umgeben.

Auch der Handel war in Gallien im 1. Jahrhundert v. u. Z. entwickelt. An den Knotenpunkten der Handelsstraßen, an den Flüssen und Wegekreuzungen entstanden Städte als wirtschaftliche und politische Zentren der gallischen Stämme. Dort entwickelte sich das Handwerk. Besonders die Waffenherstellung erlangte hohe Bedeutung. Keltische Schwerter hatten wegen ihrer hohen Qualität einen guten Ruf. Der Stand der gesellschaftlichen Entwicklung war bei den einzelnen keltischen Stämmen recht unterschiedlich. Während einige noch in der Urgemeinschaft lebten, vollzog sich bei anderen bereits der Zerfall der Gentilordnung, entstanden dort Klassen und entwickelte sich die Sklaverei.

An der Spitze der Stämme stand jeweils ein Führer, der sich auf den Sippenadel stützte. Einen großen Einfluß übten die Druiden (Priester) aus; sie bildeten eine in sich abgeschlossene Kaste.

Die keltischen Stämme, unter denen die Arverner eine dominierende Stellung einnahmen, schlössen sich zu großen Verbänden zusammen. Infolge der Stammesfehden zerfielen diese jedoch bald wieder. Die einzelnen gallischen Stämme kämpften nämlich ständig gegeneinander um Weide- und Ackerland. Diese Stammesfehden schwächten die Widerstandskraft der keltischen Stämme und erleichterten den Römern die Eroberung Galliens.

Caesar nutzte die Widersprüche zwischen den Keltenstämmen aus und mischte sich in ihre internen Angelegenheiten ein. Als die Sequaner in ihrem Kampf gegen die Äduer Ariovist, den Führer eines germanischen Stammes, zu Hilfe gerufen hatten, trat Caesar als Schirmherr der Äduer auf. Seine Legionen schlugen das germanische Heer des Ariovist vernichtend. Caesar konnte die römische Armee verstärken, indem er keltische Stämme auf seine Seite zog.

Die in Britannien lebenden Stämme trieben vorwiegend Viehzucht, sie be­stellten keine Felder, sondern nährten sich hauptsächlich von Milch und Fleisch. Auf der Insel wurde Zinn und an der Küste Eisenerz gewonnen. Die britannischen Stämme standen auf der Stufe des beginnenden Zerfalls der Urgemeinschaft.

In Britannien stießen die Römer auf stärkeren Widerstand als in Gallien; daher erzielten sie hier nur geringe Erfolge.

Gallien war ein reiches Land, wo es viel Gold geben sollte. Außerdem konnte es zahlreiche Sklaven liefern. Seit der blutigen Niederschlagung der Sklavenaufstände herrschte in Rom ein empfindlicher Mangel an Sklaven. Deshalb waren Caesars gallische Feldzüge bei den römischen Sklavenhaltern besonders populär.

Im Verlauf von acht Jahren (58-49 v. u. Z.) eroberten die Römer ganz Gallien; sie setzten sogar nach Britannien über, konnten dort aber nicht festen Fuß fassen. Caesar hatte mit Genehmigung des Senats zwei weitere Legionen angeworben und verfügte somit gegen Kriegsende über 13 Legionen. Hauptausgangsbasis der Feldzüge in das Innere Galliens und nach Britannien waren das cisalpinische und narbonensische Gallien. Caesars Legionen unternahmen insgesamt acht Feldzüge, davon zwei Landungen in Britannien; die römische Armee schlug neun bedeutende Schlachten und führte drei umfangreiche Belagerungen durch.

Caesar war über die politische Situation in Gallien gut unterrichtet. Er mischte sich in die Stammesfehden ein, um die Widersprüche im Lande zu verschärfen und sie für seine Zwecke auszunutzen. Caesars Politik lief darauf hinaus, seine Gegner zu entzweien, seine Bundesgenossen aber zu vereinen. Er stützte sich auf die „Römerfreunde" in Gallien. Sie erreichten, daß Caesar auf einer Versammlung der gallischen Stämme zum Führer der Gallier ausgerufen wurde. Diese Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Gallier und die Tatsache, daß die römischen Legionen gegen vereinzelte Stämme kämpften, denen es an einer einheitlichen militärischen Organisation und Bewaffnung fehlte, erleichterten den Römern die Eroberung des Landes.

Vom Standpunkt der Kriegskunst sind die beiden Landungsunternehmen in Britannien (der vierte und der fünfte Feldzug) sowie der Feldzug gegen Vercingetorix (der siebente Feldzug) am lehrreichsten.

Als Ausgangsbasis für den römischen Vorstoß nach Britannien wählte Caesar den Hafen Itius (Boulogne). Itius war zwar etwas weiter von der Insel entfernt als Calais, eignete sich jedoch besser zur Überquerung des Ärmelkanals.

Caesar besaß nicht die notwendigen Angaben über Britannien; er wußte nicht, „wie groß die Insel sei, welche Stämme sie bewohnten, wie zahlreich diese seien, welchen Grad der Kriegstüchtigkeit und was für eine Verfassung sie besäßen, endlich, welche Häfen imstande seien, eine einigermaßen bedeutende Flotte aufzunehmen". Caesar entschloß sich zu einem Feldzug nach Britannien, obwohl der Sommer bereits zur Neige ging. Wenn auch die vorgerückte Jahreszeit für die Kriegführung ungünstig war, „so hielt er es doch für äußerst zweckmäßig, wenigstens einmal die Insel zu betreten, ihre Bewohner kennenzulernen, die Örtlichkeiten, Häfen und Landungsplätze zu untersuchen: Alles Dinge, welche den Galliern völlig unbekannt waren".( Caesars Werke,- „ Der Gallische Krieg“)

Caesar setzte die zur Lösung der gestellten Aufgabe erforderlichen Kräfte ein; es waren insgesamt zwei Legionen (6000 bis 8000 Mann). Da der Gegner keine Hochseeflotte besaß, beherrschten die Römer die See. Das erleichterte natürlich die Landungsoperation. Die Römer verfügten über 80 große Transportschiffe, die jeweils 100 Legionäre aufnehmen konnten, über 18 große Schiffe zum Übersetzen der Reiterei sowie über einige Kriegsschiffe, die mit Ballisten und Katapulten bestückt waren. Da die Schiffe mit flachem Boden gebaut waren und einen geringen Tiefgang hatten, waren sie zur Landung am Ufer geeignet.

Einige Tage vor Beginn des Feldzuges schickte Caesar einige Kundschafter mit einem Schiff zur Küste Britanniens. Außerdem beauftragte er einen als Spion entsandten gallischen Führer, auf die britannischen Stämme einzuwirken. Die Britannier hielten den Gallier jedoch fest, während die Aufklärer erst nach fünf Tagen zurückkehrten und nur äußerst spärliche Angaben mitbrachten, da sie die britannische Küste lediglich von offener See aus erkundet hatten. Caesar verfügte also nicht über die notwendige Kenntnis des Gegners.

Zur Sicherung seines Hinterlandes entsandte Caesar einen Teil seiner Truppen unter Führung zweier Legaten zu den nordostwärts von Itius lebenden Küstenstämmen. Außerdem ließ er zahlreiche Gallier zu Geiseln machen. Eine recht starke Abteilung blieb unter dem Kommando eines Legaten im Lager selbst (in Itius) zurück.

Der römische Schiffsverband lichtete an einem Herbstmorgen des Jahres 55 v. u. Z. um 3 Uhr Anker und fuhr mit günstigem Wind zur Küste Britanniens. Die Reiterei war 10 Kilometer von Itius entfernt auf Schiffe verladen worden. Bereits um 10 Uhr näherte sich der Hauptverband der britannischen Küste. Die Beobachtungsposten der Britannier sichteten die römischen Schiffe rechtzeitig und schlugen Alarm. Das Fußvolk, die Reiterei und die Kampfwagen der Britannier rüsteten sich zum Kampf, um eine Landung der römischen Legionen zu verhindern.

Das Geschwader ging vor Anker; der steile und zerklüftete Uferabschnitt war jedoch für eine Landung nicht geeignet. Hier zeigten sich also bereits die Folgen der schlecht organisierten Aufklärung. Caesar befahl darauf, weiter an der Küste entlangzufahren. Die Britannier folgten zu Lande. Dabei schickten sie ihre Reiterei und ihre Kampfwagen voraus. Erst nach einer Fahrt von 10 Kilometern erreichte der römische Verband, vom Wind und von der Flut begünstigt, ein flaches, offenes Ufer. Caesar beschloß, dort zu landen. Die Britannier empfingen die Römer mit wohlgezielten Pfeilschüssen und griffen sie mit ihren Kampfwagen und mit ihrer Reiterei an. Das seichte Wasser sowie das Gewicht der Waffen und der Ausrüstung erschwerten den römischen Kriegern die Landung. Um den Legionären zu helfen, ließ Caesar die Flanken der britannischen Schlachtordnung von den Kriegsschiffen aus mit Wurfmaschinen beschießen. Die Legionäre nutzten die in den Reihen des Gegners entstandene Verwirrung aus, stürzten - dem Beispiel des Adlerträgers der 10. Legion folgend - ins Wasser, erreichten das Ufer, griffen die Britannier frontal an und warfen sie zurück. Das Fehlen der Reiterei hinderte die Römer jedoch daran, ihren Erfolg auszuweiten. Die Legionen errichteten am Ufer ein befestigtes Lager. Erst nach vier Tagen kamen die 18 Schiffe mit der Reiterei an Bord in Sicht. Ein aufkommender Sturm warf jedoch einen Teil dieser Transportboote auf die gallische Küste zurück, während der Rest zur britannischen Westküste abgetrieben wurde. Dann überschwemmte auch noch eine große Flutwelle einen Teil des Lagers und beschädigte viele Schiffe. Alle diese schwerwiegenden Störungen waren auf die schlechte Organisation des Landungsunternehmens zurückzuführen.

Die Britannier leisteten den Römern nach wie vor zähen Widerstand. Sie schlossen überraschend die zur Erkundung ausgesandte 7. Legion ein und griffen sie an; sie konnte schließlich nur durch die rechtzeitig eintreffenden Sicherungskohorten der 10. Legion gerettet werden. Besonders schwierig war für die Römer der Kampf gegen die Reiterei und gegen die Kampfwagen der Britannier. Caesar schrieb über die britannischen Kampfwagen: „Zuerst jagen sie in allen Richtungen herum, werfen ihre Geschosse und bringen gewöhnlich schon durch die Wildheit ihrer Pferde und das Gerassel der Räder, die (feindlichen) Glieder in Verwirrung. Haben sie sich so zwischen die (feindlichen) Reitergeschwader eingenistet, so springen sie von den Wagen ab und kämpfen zu Fuß. Unterdessen ziehen sich die Wagenlenker allmählich aus dem Gefecht zurück und stellen sich mit den Wagen so auf, daß sich die Kämpfer leicht auf sie zurückziehen können, wenn sie von feindlicher Übermacht bedrängt werden. So gewährt diese Waffe zugleich die Beweg­lichkeit der Reiterei und die Stetigkeit des Fußvolks im Gefecht."

Die Britannier nutzten jede Fahrlässigkeit der Römer aus, stellten ihnen Fallen und unternahmen überraschende Angriffe, bei denen sie ihnen erhebliche Verluste zufügten. Caesar konnte seine Ziele nicht erreichen, denn die Britannier hinderten die Römer daran, weiter vom Ufer aus vorzudringen. Darum ließ Caesar am 18. Tage nach der Landung, „da günstiges Wetter eintrat, kurz nach Mitternacht die Anker lichten..." Die Rückkehr erfolgte ebenso unorganisiert wie die Landung. Dadurch wurde es möglich, daß der Stamm der Moriner eine römische Abteilung, die getrennt von den Hauptkräften gelandet war, überfiel.

So endete der erste Feldzug der Römer nach Britannien. Die Informationen, die Caesar durch diesen Feldzug einholen konnte, waren äußerst dürftig. Es war den Römern nicht gelungen, in das Innere der Insel vorzustoßen. Napoleon urteilte: „Die beiden Einfälle (über den Rhein und nach Britannien), die Caesar in diesem (dem vierten ) Feldzug versuchte, waren beide voreilig und mißlangen, der eine wie der andere.".( Napoleon I., Darstellung der Kriege Caesars, Turennes, Friedrichs des Großen, Berlin 1938, S. 57)

Napoleon kam zu folgender Erkenntnis: „Zwei Legionen reichten nicht aus; er hätte deren mindestens vier gebraucht, und er hatte keine Reiterei, eine Waffe, die in einem Lande wie England unentbehrlich ist. Er hatte nicht genügend Vorbereitungen für eine Expedition von solcher Wichtigkeit getroffen; sie nahm einen beschämenden Verlauf, und man sah es als Fügung seines guten Sternes an, daß er sich ohne Verluste davon zurückgezogen hatte."( Ebenda, S. 66 )

Im Jahre 54 v. u. Z. organisierte Caesar einen zweiten Feldzug nach Britannien (den fünften Feldzug). Dieses Mal wurden über 700 Transportschiffe und 26 Kriegsschiffe bereitgestellt. Die Transportschiffe hatten einen noch geringeren Tiefgang und niedrigere Bordwände. Die Ausgangsbasis sicherten drei Legionen Fußvolk und 300 Reiter; das waren rund 17 000 Mann. Eingeschifft wurden fünf Legionen und 2000 Reiter, insgesamt etwa 20 000 bis 25 000 Mann. Gegen Abend lichtete die römische Flotte die Anker und erreichte am Morgen des nächsten Tages den vorjährigen Landungsplatz. Die Britannier leisteten keinen Widerstand. Nach den Worten Caesars „hatten sich allerdings große Massen dort vereinigt, dann aber die Küste aufgegeben und sich landeinwärts auf die Höhen zurückgezogen, weil sie durch den Anblick unserer zahlreichen Schiffe entmutigt wurden. Es kamen ihnen nämlich ... mehr als 800 gleichzeitig in Sicht." Gegen Mittag befanden sich alle Legionen an Land. Diesmal errichteten sie ihr Lager an einer erhöhten Stelle. Nachdem die Römer 10 Kohorten und 30 Reiter zum Schütze des Lagers zurückgelassen hatten, drangen sie in das Innere der Insel vor. Einen Tagesmarsch vom Lager entfernt stießen sie auf die Reiterei und auf die Kampfwagen des Gegners, der die Legionen dort am Überschreiten eines Flusses hindern wollte. Die Britannier hatten günstige Stellungen auf den Höhen bezogen und beschossen die übersetzenden Römer. Darauf setzte Caesar seine Reiterei ein; sie überrannte die Britannier und zwang sie, sich in den Wald zurückzuziehen, in dem sich ihr befestigtes Lager befand.

Die 7. römische Legion näherte sich den britannischen Befestigungen, schüttete rasch einen Erdwall auf und beschoß den Gegner mit Pfeilen und Steinen. Dann drangen die Sturmkolonnen in die Befestigung ein und vertrieben die Britannier. Caesar befahl, den Gegner nicht zu verfolgen, da den Römern das Gelände unbekannt war und die Dämmerung bereits hereinbrach. Erst am nächsten Tage drangen die Römer in drei Kolonnen weiter vor. Als sie bald darauf jedoch die Nachricht erhielten, daß während eines Sturmes ein Teil der Schiffe beschädigt worden war, zogen sie sich in ihr Lager zurück, ohne irgendwelche Erfolge erzielt zu haben.

Die Britannier leisteten den Römern weiterhin hartnäckigen Widerstand. Sie nutzten jede sich bietende günstige Gelegenheit, um die Römer - meist mit ihrer Reiterei - zu überfallen. Stützpunkt der Britannier war ihre im Waldesdickicht verborgene und von einem Wall mit einem hölzernen Pfahlzaun umgebene Stadt an der Tamesa (Themse). Die Römer rückten bis zur Tamesa vor, wo sich die Britannier am anderen Ufer verschanzt hatten. Durch Überläufer erfuhr Caesar, daß ein vom Wasser überspültes, und daher vom Ufer aus nicht sichtbares Hindernissystem aus zugespitzten Pfählen im Flußbett errichtet worden war. Darauf befahl er, die einzige Furt zum Durchschreiten des Flusses zu benutzen. Dabei sollte zuerst die Reiterei und dann das Fußvolk vorstürmen. Die Britannier hielten diesem Angriff der Römer nicht stand und flohen. Bald gelang es dann den Römern, die Stadt der Britannier zu nehmen sowie einen Überfall der Britannier auf das römische Lager an der Küste abzuschlagen.

Infolge ihrer ständigen Mißerfolge, der hohen Verluste sowie der Verwüstung ihres Landes mußten die britannischen Stämme schließlich ihren Widerstand aufgeben. Gegen Ende des Sommers entschloß sich Caesar zur Rückkehr. Er ließ Geiseln festnehmen und bestimmte die Höhe des Tributs, den die Britannier an Rom entrichten mußten. Dann kehrte er mit seinen Legionen auf dem Seewege nach Gallien zurück.

Auch diese zweite Expedition der Römer nach Britannien führte - obwohl sie erfolgreicher war als die erste - zu keinem wesentlichen Ergebnis. Wohl waren die römischen Legionen bis zur Tamesa vorgedrungen, doch Caesar hatte in Britannien nicht festen Fuß fassen können, weil die britannischen Stämme ihn nicht, wie erhofft, unterstützten.

Die britannischen Feldzüge der Römer haben die Bedeutung der Flotte bei Landungsoperationen gezeigt und bewiesen, daß die Seeherrschaft eine Voraussetzung für den Erfolg eines solchen Unternehmens ist. Gleichzeitig wurde ersichtlich, daß die Flotte eines der wichtigsten Küstenverteidigungsmittel  darstellt,  das  den  Britanniern  jedoch nicht  zur Verfügung stand.

Bei der aktiven Verteidigung setzten die Britannier geschickt ihre Kampfwagen ein. Im Jahre 55 v. u. Z. verfügten die Römer über keine Reiterei und konnten daher von der Küste aus nicht weiter landeinwärts vorstoßen. Ein Jahr später gelang es der römischen Armee, durch den Einsatz ihrer Reiterei bis zur Themse vorzudringen. Die geringe zahlenmäßige Stärke der Reiterei gestattete es aber den Römern nicht, den Erfolg auszuweiten und weiter in das Innere der Insel einzudringen. Nur Truppen, die mindestens ebenso manövrierfähig sind wie die des Gegners, können sich erfolgreich mit den beweglichen Truppen des Feindes schlagen. Zur Ausweitung des Erfolges einer Landungsoperation ist es notwendig, daß die Kräfte und Mittel des Angriffs den Kräften und Mitteln der Verteidigung in der betreffen­den Richtung und zum betreffenden Zeitpunkt überlegen sind. Diese Forderung erfüllten beide Feldzüge Caesars nach Britannien nicht, da sie mit ungenügenden Kräften und Mitteln durchgeführt wurden.

Caesar gab zu, daß ihn diese Feldzüge von der mangelnden Eignung der Bewaffnung, der Schlachtordnung und der Taktik des römischen schweren Fußvolks im Kampf gegen die beweglichen Britannier überzeugt haben. Er schrieb: „Dazu kam, daß die Feinde niemals auf einem Punkte in Masse, sondern in einzelnen durch weite Zwischenräume getrennten Abteilungen und weit voneinander den Kampf führten, daß sie ferner hier und dort Reserven aufgestellt hatten, so daß sie sich gegenseitig in geordneter Weise aufnehmen und allemal die Ermüdeten mit frischen Mannschaften ablösen konnten." Um die römische Reiterei abzulenken und um sie vom Fußvolk zu trennen, ergriffen die Britannier häufig zum Schein die Flucht und fielen dann mit überlegenen Kräften über das gegnerische Fußvolk her. Zur erfolgreichen Bekämpfung eines Gegners muß man über dessen Truppen, über seine Methoden zur Führung des Krieges und des Kampfes gut informiert sein. Das war aber bei Caesar in seinen britannischen Feldzügen nicht der Fall.

Der Feldzug der römischen Armee gegen Vercingetorix (52 v. u. Z.).

Caesars grausame Kriegführung bei der Unterwerfung der gallischen Stämme führte zu einem Aufstand in ganz Zentralgallien. Die Aufständischen, geführt von ihrem begabten Feldherrn Vercingetorix, eroberten Cenabum (Orleans), das ein wichtiger Handelsplatz zwischen Römern und Galliern und außerdem ein militärischer Stützpunkt der Römer war.

Zu dieser Zeit befand sich Caesar im cisalpinischen Gallien, und die römischen Truppen (13 Legionen) waren über ganz Gallien verstreut. Sechs Legionen (etwa 25 000 Mann) standen im Gebiet der Senonen (zwischen dem Oberlauf des Liger und der Sequana), zwei Legionen (etwa 8000 Mann) im Gebiet der Treverer und zwei weitere im Gebiet der Lingoner; im narbonensisdien Gallien waren zwei Legionen und zwei Kohorten stationiert und im cisalpinischen Gallien acht Kohorten. Caesar selbst war von der Hauptmasse seiner Truppen weit entfernt. Vercingetorix wollte verhindern, daß sich die in Gallien stationierten römischen Legionen vereinigten. Er hoffte, die übrigen gallischen Stämme auf seine Seite ziehen zu können, um dann die verstreuten Kräfte der Römer mit vereinten Kräften anzugreifen.

 Vercingelorix

 Caesar konzentrierte einen Teil der Truppen an der Grenze des Gebietes der Arverner und drang in Eilmärschen in ihr Land ein, wobei er seine Reiterei in breiter Front vorgehen ließ. Jetzt nutzte Caesar die Tatsache aus, daß Vercingetorix gezwungen war, den Arvernern Hilfe zu leisten: Er stellte den Angriff ein, übertrug Brutus das Kommando über die Truppen und begab sich mit einer starken Bedeckung nach Vienna (am Rhodanus), wo sich die Reiterei der Römer befand. Mit ihr vereinigt zogen Caesars Truppen flußaufwärts am Rhodanus und an der Saöne entlang. Auf dem Plateau von Langres wurden sie durch zwei weitere Legionen verstärkt. Dann eroberten die Römer Cenabum, plünderten es und äscherten es ein. Auch an den Ufern des Liger wurde der Aufstand schonungslos unterdrückt. Nach langer Belagerung nahmen die Römer Avaricum und töteten 40 000 Menschen, ohne Frauen und Kinder zu schonen.

Inzwischen hatte der Aufstand auch die nördlich und südlich von den Standorten der römischen Truppen gelegenen Gebiete erfaßt. Nunmehr sandte Caesar seinen Heerführer Labienus mit vier Legionen in das Land der Senonen und Parisier, während er selbst mit sechs Legionen und mit der Reiterei gegen die südlichen Gallier nach Gergovia zog. Dort hatte sich Vercingetorix verschanzt und an den Gebirgszugängen ein befestigtes Lager errichtet. Caesar schrieb, daß er jeden Gedanken an einen Sturm aufgegeben hatte, da die Stadt auf einem hohen Berg lag und von allen Seiten schwer zugänglich war. Die römischen Legionen errichteten vor Gergovia ein befestigtes Lager.

Als Caesar die Nachricht erhielt, daß 10000 Äduer von den Römern abgefallen waren und nun heranrückten, um Vercingetorix zu entsetzen, ließ er nur zwei Legionen im Lager zurück und marschierte mit vier Legionen und mit der gesamten Reiterei gegen die Äduer. Während seiner Abwesenheit griffen die Gallier das Lager an. Die beiden Legionen vermochten diese Angriffe nur unter empfindlichen Verlusten abzuwehren. Die römischen Truppen schwebten in der Gefahr, einzeln aufgerieben zu werden. Es gelang Caesar jedoch - wenn auch um einen hohen Preis -, die Vereinigung der Äduer mit Vercingetorix zu verhindern.

Bald darauf beschloß Caesar, Gergovia zu stürmen. Er wählte den schwächsten Punkt in der Verteidigung und konzentrierte, ungesehen vom Feind, starke Kräfte in dieser Richtung. Auf ein Signal setzten die römischen Legionen zum Sturm an und überwanden die den Zugängen zur Stadt vorgelagerten Verteidigungsanlagen. Einigen Legionären gelang es sogar, die Stadtmauer zu erklimmen. In diesem Augenblick richtete Vercingetorix einen Gegenangriff gegen die Flanke der Römer und warf sie zurück. Nur durch das Eingreifen der als allgemeine Reserve füngierenden 10. Legion blieben die Römer vor der völligen Niederlage verschont. Die 10. und danach die ablösende 13. Legion hielten die verfolgenden Gallier auf und ermöglichten damit den geschlagenen Legionen, in ihrem Lager Zuflucht zu finden.

Caesar versuchte später, seine Niederlage zu rechtfertigen. Er behauptete, es sei gar nicht seine Absicht gewesen, Gergovia zu stürmen; vielmehr habe er den Rückzug der römischen Armee durch ein Scheinmanöver sichern wollen. Doch durch dieses „Manöver" verloren die Römer nach Caesars eigenen - offensichtlich noch zu geringen - Verlustzahlen 46 Zenturionen und etwa 700 Legionäre. Caesar schob die Schuld für die Niederlage der Römer auf die Eigenmächtigkeit und Verwegenheit der Legionäre, die nicht auf das Signal zum „Rückzug" gehört hätten. Weiter behauptete Caesar: „Es war ein ungleicher Kampf für die Römer: Der Feind hatte den Vorteil des Terrains und der Überzahl für sich; sie selbst, durch den Sturmlauf und die lange Dauer des Gefechts ermüdet, waren nicht wohl imstande, gegen frische und ungebrauchte Truppen standzuhalten." Die wirklichen Ursachen für die Niederlage waren jedoch die schlechte Vorbereitung und die mangelhafte Organisation des Sturmangriffs, die Vercingetorix geschickt auszunutzen verstand. Der Flankenstoß der Gallier erfolgte, als die Römer durch die rasche Annäherung an das Sturmobjekt (etwa l Kilometer) und durch die Überwindung der feindlichen Verteidigungsanlagen ihre Kräfte verausgabt hatten und unorganisiert zum Sturm auf die Stadtmauer ansetzten.

Die Belagerung von Alesia (52 v. u. Z.).

Die Römer mußten sich von Gergovia zurückziehen. Die Erhebung der Gallier ergriff das ganze Land. Die Aufständischen bemächtigten sich des römischen Stützpunktes Noviodunum. Nur mit Mühe schlug sich Labienus zu Caesar durch, dessen Legionen bereits nach Osten marschierten. Mit germanischer Hilfe schlugen die Römer die gallische Reiterei, so daß Vercingetorix gezwungen war, sich mit 20 000 Galliern in der zwischen zwei Flüssen gelegenen starken Festung Alesia zu verschanzen. Der Führer der antirömisdien Bewegung konnte sich nicht in das Innere des Landes zurückziehen, weil er dann den Römern weite Landstriche zur Plünderung überlassen hätte. Vercingetorix entsandte seine Reiterei, um Truppen zum Entsatz der Festung zu sammeln.

Die Römer hatten für die Belagerung 50 000 Legionäre und 10000 germanische Reiter auf geboten. Diese Truppen errichteten eine gegen die Festung gerichtete Kontravallationslinie sowie eine Zirkumvallationslinie (20 Kilometer), deren Front dem offenen Feld und den zum Entsatz anrückenden gallischen Verstärkungen zugewandt war. Alle diese Arbeiten wurden im Laufe von 40 Tagen durchgeführt. Bei der Belagerung setzten die Römer in erheblichem Umfang ihre Belagerungstechnik ein. Beim Sturm wandten sie eine spezielle Aufstellung, die „Schildkröte", an. Die Eingeschlossenen konnten den Angreifern indessen nur einfaches Gerät entgegensetzen.

Nach 42tägiger Belagerung rückten 50 000 Gallier zum Entsatz der eingeschlossenen Truppen heran und bezogen südwestlich von Alesia Stellung. Im Osten der Festung lag das Gebirge, im Westen erstreckte sich eine Ebene. Am folgenden Tag kam es zu einem Gefecht zwischen der gallischen und der römischen Reiterei. Aber keiner der beiden Gegner vermochte, einen entscheidenden Erfolg zu erzielen. Im Laufe des nächsten Tages rüsteten die Römer zum Sturm auf Alesia, während sich die Gallier auf die Erstürmung der Zirkumvallationslinie vorbereiteten.

Die erste Etappe des Kampfes - der erste Nachtangriff der Gallier.

In der Nacht griffen die Gallier von der Ebene aus die römische Zirkumvallationslinie auf einer Front von etwa 3 Kilometern an. Dieser Angriff wurde abgeschlagen.

 Die zweite Etappe des Kampfes - der zweite Nachtangriff der Gallier in Verbindung mit einem Ausfall der Besatzung von Alesia; der Gegenangriff der Römer.

In der nächsten Nacht gingen die Gallier mit ihrer Kolonne in Richtung des nördlich von Alesia gelegenen Berges Rea vor und griffen dann die Römer erneut an, und zwar gleichzeitig vom Südosten und vom Norden her. Am Berg Rea waren die Gallier erfolgreich. Zur gleichen Zeit stürmte Vercingetorix die Kontravallationslinie der Römer. Caesar befahl Labienus, einen überraschenden Stoß gegen die Gallier zu führen; er unterstellte ihm dafür einige Kohorten und die Reiterei. Labienus umging die Gallier beim Bach Rabutin, fiel den gallischen Sturmkolonnen in die Flanke und in den Rücken und entschied damit den Ausgang des Kampfes. Die Gallier traten den Rückzug an. Auch der Ausfall des Vercingetorix mißglückte, die Belagerten mußten sich in die Stadt zurückziehen.

Jetzt konzentrierte Caesar seine gesamten Kräfte und Mittel gegen die Festung selbst. Aber auch das konnte den Widerstand der Besatzung Alesias nicht brechen. Erst äußerster Lebensmittelmangel zwang die Verteidiger zur Kapitulation. Vercingetorix selbst riet seinen Kriegern, die Festung den Römern zu übergeben, um günstigere Kapitulationsbedingungen zu erlangen. Vercingetorix wurde dem Gegner ausgeliefert. Die Besatzung von Alesia kapitulierte. Alle Gefangenen wurden von den Römern in die Sklaverei verkauft.

So wurde an den Mauern von Alesia einer der größten Aufstände der Gallier gegen die römische Herrschaft entschieden. Zum Kampf gegen die Römer hatte sich der größte Teil der in Gallien lebenden Stämme vereinigt. Die inneren Widersprüche, die Stammesfehden und die Käuflichkeit der Stammesführer setzten jedoch die Widerstandskraft der Gallier herab. Die mangelnde politische Einheit der Gallier war die Hauptursache dafür, daß ihre Kampfhandlungen wenig koordiniert verliefen.

Die römische Armee manövrierte dagegen recht geschickt auf dem Schauplatz der Kampfhandlungen. Die Legionen konnten leichter konzentriert werden, weil die gegnerischen Kräfte zersplittert waren. Die Römer konnten ihren Mangel an Kräften durch schnelles Handeln ausgleichen. Caesars Politik verfolgte das Ziel, die Stammesfehden unter den Galliern zu verschärfen und die Kräfte der aufständischen Stämme zu zersplittern. Eines der wichtigsten Ergebnisse dieser Politik war die Isolierung des Vercingetorix in Alesia. Trotz umfangreicher Belagerungsarbeiten und der relativ gut entwickelten Technik konnten die römischen Legionen die Festung nicht erobern. Erst der Hunger zwang die Verteidiger von Alesia, die Waffen zu strecken.

Bei der Belagerung Alesias zeigten sich die Vorzüge der römischen Belagerungskunst. Die römischen Legionen schufen in kürzester Frist umfangreiche Verteidigungsanlagen, die den Ausfällen der Besatzung von Alesia und den Angriffen der zum Entsatz herangerückten Truppen standhielten. Zum Erfolg der Römer hat zweifellos die taktische Beweglichkeit ihrer Legionen und die Zersetzung in den Reihen der Gallier beigetragen. Als der für den Entsatz festgelegte Termin verstrichen war und die Belagerten hungern mußten, ließen sie den Mut sinken. Ein Teil der Gallier wollte sich ergeben, andere dagegen gedachten auszubrechen. Diese Meinungsverschiedenheiten und die Demoralisierung bei den Belagerten schwächten ihre Verteidigungskraft erheblich.

Die starke und ihrem Feldherrn treu ergebene Armee war in den Kämpfen in Gallien und Germanien geschmiedet und gestählt worden. In Gallien hatten die Römer viele Sklaven erbeutet und ein umfangreiches Gebiet erobert. Caesar verfügte jetzt über große Reichtümer, die er in Gallien zusammengeraubt hatte. Er teilte die Beute mit seinen Anhängern und verwandte die gallischen Gelder, um unter den Plebejern Stimmung für sich zu machen. Caesars Popularität nahm weiter zu.

Ausschnitt aus Cäsars „Der Gallische Krieg“, Punkt Eroberung Alesias.