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Die Schlacht am Morgarten (1315 u.Z.)
Die Bevölkerung des Schweizer Alpenlandes, des späteren Territoriums der Schweiz, trieb Ackerbau und Viehzucht. Über den Sankt-Gotthard-Paß führte die wichtige Alpenhandelsstraße. Sie verband die norditalienischen Städte mit den norddeutschen Städtebünden und förderte das Wachstum der Schweizer Städte Bern, Luzern, Zürich und anderer.
Des nördlichen ebenen Teils der Schweiz hatten sich deutsche Feudalherren bemächtigt und die Bevölkerung unterjocht. In den bewaldeten Gebirgsgegenden stießen sie jedoch auf den Widerstand der freiheitsliebenden Bevölkerung, bei der sich noch Überbleibsel der Gentilverfassung erhalten hatten. Nach mehr als zweihundertjährigem Kampf gelang es den Bewohnern einiger Waldkantone, ihre Freiheit zu erringen.
Die Zersplitterung Deutschlands in einzelne Feudalstaaten schuf günstige Voraussetzungen für die Vereinigung der Kantone in der Schweiz zu einem von den deutschen Feudalherren unabhängigen Bund. 1291 schlossen die drei Waldkantone Schwyz, Uri und Unterwalden einen „ewigen Bund" zum Kampf gegen die Habsburger. Dieser Bund bildete die Grundlage für den künftigen schweizerischen Staat. Die zahlenmäßige Stärke der Bevölkerung betrug höchstens 500 000 Personen. Also hätte eine fünfprozentige Rekrutierungsquote ein 25 000 Mann starkes Heer ergeben. Die Rekrutierung erfaßte jedoch niemals alle Kantone zugleich. Daher bestand das Heer in der Regel nur aus einigen tausend Mann. Die Waldkantone, später auch die Städter, stellten ein kampftüchtiges, vorwiegend mit Hellebarden bewaffnetes Fußvolk.
Die Kampftüchtigkeit der bewaffneten Organisation der Schweizer beruhte nach Delbrück auf dem „geographischen, wirtschaftlichen Moment". Darunter verstand er die Beschäftigung der Einwohner. Er schrieb: „Das Hirten und Jägerdasein in den Bergen war geeigneter, den kriegerisch-abenteuerlichen Sinn zu erhalten, als die ackerbauende Ebene, und die Armut der Berge . nötigte, auswärts zu suchen nach Erwerb oder Sold." In Wirklichkeit wurde die kampftüchtige bewaffnete Organisation der Schweizer durch den Unabhängigkeitskampf der freien Bauernschaft geschaffen und nicht durch den „kriegerisch-abenteuerlichen Sinn" der Viehzüchter und Jäger.
1315 organisierten die Habsburger den Feldzug eines Ritterheeres gegen die Waldkantone. Die Bevölkerung des Schweizer Bundes erhob sich gegen die Eindringlinge. Die Schlacht fand im Herbst desselben Jahres am Morgarten, 12 Kilometer nördlich von Schwyz, statt.
Die Schlacht am Morgarten.
Als die Waldkantone erfuhren, daß die Habsburger zum Feldzug rüsteten, begannen die Schweizer, an den wichtigsten Zugängen nach Schwyz die alten Verteidigungsanlagen instand zu setzen und neue zu bauen.
Die Schweizer hatten seit Urzeiten solche Verteidigungsanlagen errichtet, die als Letzinen bezeichnet wurden. Sie bestanden aus 4 Meter hohen, mit Türmen bewehrten Mauern. Zwei Letzinen sperrten die Zugänge zum Schwyzer Tal. Die eine war etwa 4 Kilometer lang und befand sich bei Altmatt, während sich die zweite in einer Länge von 8 Kilometern vom Roßberg bis zum Rigi erstreckte. Die am nordöstlichen Ufer des Ägerisees von Zug nach Schwyz führende Straße war nicht durch eine Letzi blockiert. Wahrscheinlich reichte dazu nicht mehr die Zeit.
Als der Vormarsch über Zug nach Schwyz durch Kundschafter bekannt wurde, wandten sich die Schweizer gegen Schorno. Ihr Führer, Werner Stauffacher, beschloß, den Feind beim Passieren des Engpasses am Morgarten anzugreifen.
Nach den Quellen sollen die Schweizer über 1300 Mann Fußvolk verfügt haben. Delbrück stützte sich auf die Forschungen von Oechsli (18 000 Mann) und schrieb, daß die Eidgenossen über 3000 bis 4000 Krieger gehabt hätten.
Aber ein Teil der Kräfte wurde zur Verteidigung der Letzinen und zum Schutz von Unterwalden bestimmt. Delbrück wollte nur die zahlenmäßige Überlegenheit des Fußvolks der Schweizer nachweisen, um deren Sieg zu begründen. „Was konnten die Ritter gegen den wilden Ansturm des so furchtbar bewaffneten Bauernhaufens machen?" 41 Nach Delbrück waren nicht die hohe Moral des Fußvolks der Schweizer, seine Geschlossenheit und die geschickte Ausnutzung des Geländes die Ursachen des Sieges, sondern die Anzahl, der „wilde Ansturm" und die Hellebarden. Der Kanton Schwyz besaß 18000 Einwohner und konnte kaum mehr als 900 Mann Fußvolk (fünf Prozent der Gesamtbevölkerung) aufbieten.
Vermutlich errichteten die Schweizer im Engpaß eine Sperre aus Baumstämmen. An dieser Stelle legte sich an einem Steilhang des Ausläufers vom Morgarten eine kleine, 50 Mann Fußvolk starke Vorhut der Schweizer in den Hinterhalt. Auf der Höhe vom Mattligütsch bezogen die Hauptkräfte eine günstige Angriffsstellung. Sie waren in der Form einer Bataille, einer aus einer gleichen Anzahl von Gliedern und Reihen (35 mal 35) bestehenden kompakten Masse, aufgestellt. Die Bataille vermochte ihre Schläge auf kurze Distanz zu führen, ohne daß ihre Reihen in Unordnung gerieten.
Das Habsburger Heer führte der Herzog Leopold. Einer seiner Grafen sollte über den Brünigpaß gegen Unterwalden vorgehen und einen Teil der Kräfte des Schweizer Bundes binden. Das vom Herzog befehligte Hauptheer versammelte sich im Gebiet von Zug, um von dort aus gegen Schorno und Schwyz vorzustoßen.
Zur Stärke des Ritterheeres schrieb Delbrück: „Daß Vitoduran 20000 Mann angibt, hat natürlich keinerlei Bedeutung." Aber Delbrück behauptet, ohne zu begründen, das Heer des Herzogs sei 2000 bis 3000 Mann stark gewesen. Aber die Angaben Vitodurans kommen der Wahrheit näher. Nach' den Quellen bestand die Reiterei aus 3000 bis 4000 Mann. Im Ritterheer des 14. Jahrhunderts betrug das Fußvolk das Doppelte der Reiterei. Das herzogliche Heer könnte rund 12 000 Mann stark gewesen sein, war also den Schweizern nahezu um das Zehnfache überlegen. An der Schlacht haben aber offenbar nicht mehr als 3000 bis 4000 Reiter teilgenommen.
Die erste Etappe der Schlacht - der Kampf der Vorhuten.
Das herzogliche Heer ging gegen Schorno vor. An der Spitze befand sich eine kleine, aus Rittern gebildete Vorhut, der die Hauptkräfte - die berittenen Ritter - folgten. In einiger Entfernung folgte das Fußvolk mit dem Troß.
Als sich die Vorhut der Sperre näherte, warf die Schweizer Vorhut plötzlich Steine und Rundhölzer auf die Reiter herab. Die Reihen der Ritter gerieten durcheinander.
Die zweite Etappe der Schlacht - der Angriff der Schweizer Bataille auf die Hauptkräfte des Ritterheeres.
Inzwischen stießen die Hauptkräfte des Ritterheeres auf die Steilhänge des Morgartenberges. Unerwartet rollten Steine und Rundhölzer auf die Ritter herab. Gleichzeitig fiel ihnen die den Berghang hinabstürzende Schweizer Bataille überraschend in den Rücken. Die verwirrten Reihen des Gegners konnten dem Ansturm des Fußvolks nicht standhalten; die zu keinem organisierten Widerstand mehr fähigen Ritter mußten den Hellebarden der Schweizer weichen.

Die dritte Etappe der Schlacht ‑ die Flucht des Ritterheeres und die Verfolgung durch die Schweizer
Die Ritter und der Herzog selbst wandten sich zur Flucht. Auch unter dem Fußvolk und dem Troß breitete sich rasch eine Panik aus. Die sofort einsetzende Verfolgung vollendete die Vernichtung des Ritterheeres. Das Fußvolk der Schweizer errang einen vollen Sieg und festigte damit die politische Lage des Bundes der Waldkantone. 1332 erweiterte sich der Bund durch den Anschluß von Luzern.
Fazit:
„Nur weil hier in Schwyz noch das altgermanische Geschlecht in seiner Urverfassung lebte, weil die kriegerische Tüchtigkeit der einzelnen zu einer kräftigen Einheit mit einem einheitlichen Willen zusammengefaßt ist, weil die Demokratie eine Führung hatte, konnte hier das Volk die Ritterschaft besiegen." Es geht hier natürlich nicht um Rasseneigenschaften eines altgermanischen Geschlechts. Die Ursachen des Sieges sind vor allem im Charakter des Krieges zu suchen. Dieser zeigte sich im Kampf der Bauern und Städter gegen die Feudalherren um Freiheit und Unabhängigkeit; das war entscheidend für die Moral der Schweizer. Sie hatten das bergige Gelände und die geringe Beweglichkeit der Ritter sowie ihre Unfähigkeit, im Gebirge zu kämpfen, geschickt ausgenutzt. Hier erwies sich die Überlegenheit der geschlossenen Ordnung des Fußvolks, das fähig war, die Ritter erfolgreich anzugreifen. Der Zeitpunkt für den Überraschungsangriff war günstig. Die Hellebarde in den Händen des kämpfenden Fußvolks war die geeignete Waffe für die Bekämpfung des eisengepanzerten Ritters.