Die Feldzüge der deutschen Ritter im Baltikum

 

Karte Einfall der Schweden und des Ordens 

Karte zur Schlacht

Einführung                                                                  

Der Orden                                             Die Schlacht

Entwicklung der Kriegskunst                 Die erste Etappe der Schlacht

Die erste Etappe des Feldzuges              Die zweite Etappe der Schlacht 

Die zweite Etappe des Feldzuges            Die dritte Etappe der Schlacht

Die Entscheidung                                           

Fazit                                                                

In der Periode der feudalen Zersplitterung wies die Kriegskunst Westeuropas keine bedeutenden Errungenschaften auf. Die einzige Waffengattung bildeten die schwergepanzerten Ritter ohne stabile Organisationsform. Das Fußvolk hatte seine militärische Bedeutung verloren und stand jetzt völlig hinter den Rittern zurück. Die mangelnde Disziplin des Ritterheeres machte die Verbindung der einzelnen Kampfhandlungen unmöglich. Die Schlacht artete in einen Zweikampf der Ritter aus; daher entwickelten sich keine neuen taktischen Formen.

In den dreißiger und vierziger Jahren des 13. Jahrhunderts tobten in Osteuropa schwere Kämpfe. Die schwierige innenpolitische Lage in der Rus, verursacht durch die feudalen Fehden der Teilfürsten, schwächten ihre Widerstandskraft gegen die äußeren Feinde. Im Südosten fielen die Tataro-Mongolen ein, während im Nordwesten die westeuropäischen Feudalherren mit den deutschen und schwedischen Rittern an der Spitze unter der Sanktion des römischen Papstes Osteuropa bedrängten.

1238 verheerten die Tataro-Mongolen die nordöstlichen russischen Fürstentümer, und 1240 verwüsteten sie die südliche Rus. 1242 ließen sie sich in den südrussischen Gebieten nieder und unterwarfen die russischen Fürsten.

Die Übergriffe der deutschen Ritter auf die baltischen Gebiete begannen Ende des 12. Jahrhunderts. Im Jahre 1200 unternahmen sie nach einem Aufruf des. römischen Papstes einen Kreuzzug zur Unterwerfung der Liven. Ein Jahr darauf gründeten die Deutschen Riga, das zum Stützpunkt wurde. Die baltischen Völker leisteten den Eroberern hartnäckigen Widerstand und weigerten sich, das katholische Christentum anzunehmen. Das Feudalaufgebot der Kreuzritter erwies sich als unfähig, die kriegerischen Stämme zu unterjochen. So schufen die Kreuzritter 1202 auf Grund der Erfahrungen der Kreuzzüge in Kleinasien den Schwertbrüderorden. Dieser unterwarf 1208 die Liven und um 1228 die Esten. Gleichzeitig setzten die Übergriffe der deutschen Ritter auf russisches Gebiet ein.

Die deutschen Ritter wurden zu einer realen Gefahr für die Länder und den Handel Groß-Nowgorods. Im Jahre 1212 kam es zu einem erfolgreichen Feldzug des Fürsten von Nowgorod mit einem 15 000 Mann starken Heer„durch das Land der Tschuden bis zum Meer". 1224 eroberten die Schwertbrüder Jurjew (Dorpat). Damit gelangten sie an die Zugänge nach Pskow und Nowgorod; sie bedrohten die ganze Nordwestliche Rus, als im Südosten bereits die Tataro-Mongolen wieder einzufallen drohten.

Jetzt übernahmen die Großfürsten von Wladimir die Führung im Kampf gegen die deutschen Ritter. 1234 befreite der Bruder des Großfürsten Jaroslaw mit seiner Drushina aus Perejaslawl nicht nur das von den Deutschen annektierte Isborsk, sondern schlug sie bei Jurjew und zwang sie, „gemäß seinen Bedingungen" Frieden zu schließen. „Und die Deutschen erniedrigten sich vor dem Fürsten", berichtet der Chronist.

Der Schwertbrüderorden vermochte die von der Rus unterstützten baltischen Völker nicht zu unterwerfen. Auf Veranlassung des Papstes vereinigte, er sich mit dem Deutschen Orden und verwandelte sich unter der Bezeichnung Livländischer Orden in eine Niederlassung im Baltikum.

Nach einem Aufruf des Papstes in den dreißiger Jahren des 13. Jahrhunderts unternahmen die deutschen Ritter einen Kreuzzug gegen die Pruzzen. Die Ritter wüten wie die Spanier in Mexiko und Peru; die Pruzzen verteidigen sich tapfer, werden jedoch immer mehr und mehr erschöpft; die fremdländischen Eroberer dringen tief ins Land ein, holzen die Wälder ab, legen die Sümpfe trocken, rotten die Freiheit und den Fetischismus der Urbevölkerung aus und begründen nach deutschem Muster Burgen, Städte, Klöster, Seigneurien und Erzbistümer. Dort, wo die Einwohner nicht ausgerottet werden, macht man sie zu Sklaven.

Die Pruzzen, Liven, Esten und die anderen Völker des Baltikums gerieten unter das Joch der Kreuzfahrer. Eine Ursache für deren Erfolg lag im uneinheitlichen Widerstand dieser Stämme. Darüber hinaus waren die geistlichen Ritterorden militärisch gut organisiert, und es gelang ihnen, sich für ihre Eroberungen zusammenzuschließen. Eine dritte Ursache bestand in dem ständigen Zustrom an Rittern aus ganz Westeuropa, die reichen Gewinn erhofften; in den unterjochten Gebieten konnten sie sich auf die einheimische Aristokratie stützen.

An der Spitze des Ordens stand der Hochmeister. Ihm waren Komture unterstellt, die die einzelnen Gebiete verwalteten und gleichzeitig als Befehlshaber einer befestigten Stadt oder Burg, des Stützpunktes eines bestimmten Gebietes, fungierten. Dem Komtur waren die Ritter untergeordnet; sie trugen beim Deutschen Orden einen weißen Mantel mit einem schwarzen Kreuz.

Die barmherzigen Brüder beschäftigten sich mit der Pflege der Verwundeten und Kranken, hatten jedoch kein Anrecht auf Beute. Die religiöse Ordensdisziplin hielt diese Organisation zusammen; der Orden war das Werkzeug des mächtigsten Feudalherrn, der katholischen Kirche, und ihres Oberhauptes, des Papstes.

Die Organisation des Ordens sicherte eine für damalige Zeiten straffe militärische Disziplin, die das Ordensheer von den Aufgeboten der weltlichen Feudalherren unterschied. Die Ordensritter hatten eine bessere Schutzausrüstung und führten schwere Waffen wie Lanzen und Schwerter.

Die Ordensritter kämpften in einer tiefen Schlachtordnung. Sie erinnerte ihrer Form nach an einen Keil, dessen stumpfe Spitze dem Feind zugekehrt war.

Die weltlichen Feudalherren des Westens stellten sich in einer Linie zur Schlacht auf. Jeder Ritter betrachtete sich als gleichberechtigt und hielt es daher für unwürdig, hinter einem anderen Aufstellung zu nehmen. Die feudalen Beziehungen ließen es nicht zu, daß sich ein Ritter dem anderen freiwillig unterordnete, und schlossen damit eine militärische Disziplin aus. Die Ordensdisziplin gestattete dagegen eine tiefe, das heißt für die damalige Zeit zweckmäßigere Aufstellung der Ritter:

Der Keil drang in das Zentrum der Schlachtordnung des Gegners ein, durchbrach seine Front, spaltete seine Kräfte und ermöglichte es, das Heer in einzelnen Teilen zu schlagen. Es war ein von Menschenhand gebildeter Rammsporn, an dessen Spitze die stärksten und bestbewaffneten Ritter standen. Im Kern des Keils kämpften die Halbbrüder und die übrigen Berittenen. Das Fußvolk aus der einheimischen Bevölkerung focht im Zentrum der Schlachtordnung. Die aggressiven deutschen Ritter besaßen die beste zeitgenössische westeuropäische militärische Organisation.

 

 

Die Entwicklung der Kriegskunst in den Kriegen der Nowgoroder gegen die deutschen und schwedischen Feudalherren

Als Hauptorganisator der Kreuzzüge stand der römische Papst hinter der Eroberung russischen Gebiets. Er war bestrebt, alle Kräfte des Ordens, die Erzbischöfe von Riga und Jurjew sowie die schwedischen und dänischen Feudalherren, zuzusammenzuschließen.

1239 wurden entsprechende Verhandlungen geführt und Pläne entworfen. Wahrscheinlich hatte man die Aktionen der Schweden und Deutschen miteinander verbunden. Die Schweden bemächtigten sich Finnlands und sollten nun im Norden, von der Newa, gegen Nowgorod vorgehen, die Deutschen über Isborsk und Pskow in die Stadt eindringen.

Jetzt schlossen sich unter der Führung Nowgorods, wo seit 1236 Alexander, der Sohn des Großfürsten von Wladimir, Jaroslaw Wsewolodowitschs, an der Macht war, die nordwestlichen russischen Länder zusammen.

Alexander Jaroslawitsch war sich als befähigter Politiker darüber im klaren, daß es den geschwächten russischen Fürstentümern an wirkungsvollen Kräften für einen Zweifrontenkampf fehlte. Er unterhielt daher zu den Tataro-Mongolen friedliche Beziehungen und sicherte dadurch das Hinterland der Nordwestlichen Rus zum Kampf gegen die Kreuzritter.

Der junge Nowgoroder Fürst erwies sich auch bald als fähiger Heerführer mit praktischem Verstand und großer Willensstärke. Ein Zeitgenosse berichtet, „daß er alle an Körpergröße übertraf und seine Stimme dem Volke wie eine Trompete klang". Alexander zeichnete sich durch große Körperkraft und Tapferkeit aus. Der Chronist berichtet, daß der aus Riga in Nowgorod eingetroffene Gesandte des Ritterordens vom russischen Fürsten entzückt gewesen sei. Er schrieb: „Nachdem er den Großfürsten Alexander Jaroslawitsch gesehen hatte, kehrte er zu den Seinen zurück und sprach: ,Wir haben viele Länder und Völker auf unseren Zügen kennengelernt, aber weder einen solchen Kaiser unter den Kaisern noch einen solchen Fürsten unter den Fürsten gesehen."'

Die Vernichtung der schwedischen Feudalherren durch die Nowgoroder (1240). Als die Tataren die Nordöstliche Rus verheerten, versuchten die schwedischen Ritter erstmalig, russisches Gebiet zu annektieren. Der König von Schweden hatte vom römischen Papst bereits 1238 den „Segen" für einen Kreuzzug gegen die Nowgoroder erhalten, Die Schweden rüsteten zwei Jahre lang. Sie drangen zu einem Zeitpunkt in die Rus ein, als die Tataro-Mongolen in die Südwestliche Rus einfielen.

Unter der Führung Birgers, des Schwagers des Königs, erschien das schwedische Heer im Sommer 1240 „in großer Stärke und sich mit seinem Kampfgeist brüstend", mit Schiffen auf der Newa, um zunächst an der Ishoramündung haltzumachen. Das Heer ergänzten Norweger und finnische Stämme. Birger schickte Boten zum Fürsten Alexander und ließ ihm folgendes mitteilen: „Wenn du mir Widerstand leisten kannst, König, so siehe, ich bin bereits hier und nehme dein Land in Besitz." Indessen errichtete das Heer ein Lager. Da die Grenzen Nowgorods durch die Seewacht der Woten geschützt wurden, hatte ihr Führer Pelgussi die schwedische Flotille entdeckt und Alexander über alles berichtet. Der Fürst von Nowgorod entschied sich für einen überraschenden Angriff. Um keine Zeit zu verlieren, verzichtete er auf die Einberufung des Heeres, die Entscheidung des Wetsche und beschränkte sich nur auf seine eigene Drushina. Diese wurde lediglich durch Freiwillige aus Nowgorod und eine Abteilung aus Ladoga verstärkt. Die Nowgoroder Streitmacht bewegte sich in Eilmärschen der Ishoramündung zu und überfiel am 15. Juli das schwedische Heer. Die völlig überraschten Truppen Birgers konnten sich nicht mehr in Schlachtordnung aufstellen und deshalb keinen organisierten Widerstand leisten. Der zu seinen Schiffen fliehende Feind wurde von der russischen Reiterei und dem Fußvolk niedergemacht.

Die Nowgoroder schlugen sich bis zur Mitte des feindlichen Lagers durch und hieben den Mast von Birgers Zelt um. Alexander „streckte persönlich unzählige Katholische nieder und drückte auch dem König selbst mit seinem scharfen Schwert einen Stempel aufs Gesicht" . Die Abteilung der Nowgoroder Freiwilligen versenkte drei schwedische Schiffe. Das Heer Birgers wurde geschlagen, und die Überreste ergriffen auf den unversehrt gebliebenen Schiffen die Flucht. Die Verluste der Nowgoroder waren gering. Für diesen Sieg gab das Volk dem Fürsten Alexander Jaroslawitsch den Beinamen Newski; er war damals erst einundzwanzig Jahre alt.

Dieser Sieg war angesichts der erlittenen Niederlagen durch die Tataro-Mongolen von großer politischer Bedeutung. Der Erfolg gegen die Schweden zeigte die Möglichkeit, die Feinde der Rus wirksam zu bekämpfen. Den Schweden gelang es nicht, Nowgorod von der See abzuschneiden, das Newaufer sowie die Küste des Finnischen Meerbusens zu erobern.

Der Sieg an der Newa war auch von wichtiger strategischer Bedeutung. Er wehrte den Überfall eines mächtigen Feindes ab, der sich anschickte, vom Norden einen Schlag gegen Nowgorod zu führen. Gleichzeitig versperrte das russische Heer den schwedischen und deutschen Feudalherren den Weg, gemeinsam zu handeln. Der Sieg der Nowgoroder sicherte die rechte Flanke und das Hinterland des Kriegsschauplatzes von Pskow und ermöglichte damit die Abwehr der deutschen Angriffe.

Beunruhigt durch den Sieg über die Schweden, begann die Bojarenschaft gegen Alexander zu intrigieren, da sie eine Stärkung seiner Macht befürchtete; Alexander mußte Nowgorod verlassen.

 

 

Die Vernichtung der deutschen Ritter durch die Nowgoroder (1241-1242)

Im Sommer 1240 fielen die deutschen Ritter in das Nowgoroder Land ein. Sie erschienen vor den Mauern von Isborsk und nahmen die Stadt im Sturm. „Von den Russen ließ man keinen in Ruhe; wer sich zur Wehr setzte, wurde gefangen oder erschlagen, und über das ganze Land erhob sich Klage und groß Geschrei"-, heißt es in der Reimchronik. Die Einwohner von Pskow eilten Isborsk zu Hilfe. „Die ganze Stadt zog gegen sie (die Ritter ) aus." Das städtische Aufgebot von Pskow wurde jedoch geschlagen und büßte allein über 800 Mann an Toten ein. Die Ritter verfolgten das Aufgebot bis nach Pskow und machten viele Gefangene. Die Deutschen „jagten bis vor .die Stadt und steckten die gesamte Vorstadt in Brand; und es gab viel Übel, und sie brannten die Kirchen nieder ... und verwüsteten viele Dörfer in der Nähe der Stadt. Sie blieben eine Woche lang vor der Stadt, eroberten die Stadt jedoch nicht, aber nahmen die Kinder der vornehmen Leute als Geiseln und zogen weiter."

Im Winter 1240 überfielen die deutschen Ritter die Nowgoroder Besitzungen und eroberten das östlich der Narowa gelegene Wotenland. Darauf nahmen die Ritter Tjossow und ihre Aufklärungstrupps waren jetzt nur noch 35 Kilometer von Nowgorod entfernt. Die deutschen Feudalherren verwandelten dieses reiche Gebiet in eine Wüste. „Es gab in den Dörfern nichts mehr, womit man pflügen konnte", berichtet der Chronist.

Im selben Jahr noch fielen die Deutschen wieder in das Gebiet von Pskow ein. Das Heer der Eroberer bestand aus Deutschen, Einwohnern von Otepää, Jurjew und dänischen „Königsmannen". Unter ihnen befand sich auch der verräterische Fürst Jaroslaw Wladimirowitsch. Die Deutschen näherten sich der Stadt Pskow, überschritten die Welikaja, schlugen vor den Mauern des Kremls ihre Zelte auf, steckten die Vorstadt in Brand und verheerten die umliegenden Dörfer. Eine Woche später rüsteten die Ritter zum Sturm auf den Kreml. Der Possadnik von Pskow, Twerdilo Iwanowitsch, lieferte die Stadt den Deutschen aus; sie setzten Geiseln fest und ließen eine Besatzung zurück. Darauf erbauten die Eroberer die Festung Koporje und machten sie zu ihrem Stützpunkt.

Trotz der politischen Zersplitterung der Rus war im russischen Volk der Gedanke an die Verteidigung seiner Heimat lebendig. Auf Bitten der Nowgoroder entsandte der Fürst Jaroslaw seinen Sohn Alexander erneut nach Nowgorod, der ein aus Nowgorodern, Ladogaern, Kareliern und Ishoren bestehendes Heer sammelte. Vor allem war es notwendig, sich über die Art und Weise des Vorgehens klar zu werden. Die beiden Städte Pskow und Koporje waren in der Hand des Feindes, und ein Kampf in zwei Richtungen hätte die Kräfte zersplittert. Die größte Gefahr drohte von Koporje; der Feind näherte sich bereits Nowgorod. Alexander beschloß daher, den ersten Schlag gegen Koporje zu führen und erst dann Pskow von den Eindringlingen zu befreien.

 

 Die erste Etappe - der Feldzug des Nowgoroder Heeres gegen Koporje (1241)

Unter der Führung Alexanders setzte sich das Heer in Bewegung, erreichte Koporje, eroberte die Festung und, zerstörte die Stadt bis auf die Grundmauern und machte die Deutschen nieder und nahm andere mit nach Nowgorod, andere aber entließ er in Gnaden, denn er war über alle Maßen gnädig, die Woten aber und die Tschuden ließ er als Verräter hängen Die Woten-Pjatina wurde von den Deutschen gesäubert. Damit waren die rechte Flanke und das Hinterland des Nowgoroder Heeres gesichert.

 

Die zweite Etappe - die Befreiung Pskows

Im März des Jahres 1242 standen die Nowgoroder vor den Mauern der Stadt. Um gegen diese starke Festung Kräfte zu sammeln, wartete Alexander auf seinen Bruder Andrej Jaroslawitsch mit dem Heer aus dem "Nisowje", das heißt aus Wladimir-Susdal. Andrej traf auch bald ein. Der Orden konnte seinen Rittern keine Verstärkung mehr schicken. Pskow wurde eingeschlossen und die feindliche Besatzung gefangengenommen. Alexander ließ die Statthalter des Ordens gefangen nach Nowgorod bringen. Im Kampf kamen siebzig Ordensbrüder und viele Ritter ums Leben.

Nach dieser Niederlage sammelte der Orden seine Truppen im Bistum Jurjew. „Laßt uns gegen Alexander ziehen, ihn besiegen und gefangen nehmen." Der Orden hatte eine starke Streitmacht konzentriert. Sie bestand aus fast allen ihren Rittern mit dem Hochmeister, „mit allen ihren Bischöfen und ihren zahlreichen Völkern, und er herrschte über sie, die auf dieser Seite waren, und mit der Hilfe des Königs".

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Die dritte Etappe - der Feldzug des Nowgoroder Heeres nach Isborsk und die Schlacht auf dem Peipussee am 5. April 1242.

Alexander beschloß, den Krieg in das Ordensgebiet zu tragen. Zunächst wandte er sich gegen Isborsk. Alexander schickte mehrere Kundschafterabteilungen voraus. Unter der Führung Domasch Twerdislawitschs, eines Bruders des Nowgoroder Possadniks, stieß einer dieser Vortrupps auf die deutschen Ritter und die Tschuden, wurde aber geschlagen und zog sich zurück. Dabei stellte er fest, daß der Gegner nur geringe Kräfte nach Isborsk geschickt hatte, während seine Hauptkräfte gegen den Pskower See vorrückten.

Die Nowgoroder gingen auf den See zurück, die Deutschen und Tschuden zogen ihnen nach. Das russische Heer schlug den Weg zum Peipussee ein, um ein Umgehungsmanöver der deutschen Ritter zu verhindern. Als die Truppen den See erreichten, befanden sie sich am Knotenpunkt der voraussichtlichen Anmarschwege des Gegners nach Nowgorod. Alexander beschloß, eine Schlacht zu liefern, und machte auf dem Eis des Peipussees im Gebiet nördlich von Usmen bei Woroni Kamen halt. In der Reimchronik heißt es, auf einen deutschen Ritter seien 60 Russen gekommen. Auf Grund der in den Chroniken enthaltenen unterschiedlichen Angaben ist anzunehmen, daß das deutsche Ritterheer 10 000 bis 12 000 und das Nowgoroder Heer 15 000 bis 17 000 Mann stark waren.

Am 5. April 1242 nahmen die Ritter bei Tagesanbruch in Keilordnung Aufstellung. Über die Schlachtordnung der Nowgoroder sagen die Quellen nichts aus. Vermutlich war es eine Schlachtreihe mit einer Vorhut. (In der Reimchronik werden diese Krieger Schützen genannt.) Nach den Miniaturen in den Chroniken war der Rücken der Kampfordnung dem abschüssigen Steilufer des Sees zugekehrt; die Elitedrushina Alexanders lag hinter einer der Flanken im Hinterhalt.

Obwohl die Quellen nur spärliche Einzelheiten über die Schlacht enthalten, herrscht über ihren Verlauf wohl ziemliche Klarheit.

 

Die erste Etappe der Schlacht ‑ der Angriff der Deutschen auf die russischen Polks

Die Deutschen stürmten gegen das Zentrum der russischen Schlachtordnung vor. „Da sah man der Brüder Banner in die Schützen eindringen, hörte Schwerter erklingen und sah Helme durchhauen. Auf beiden Seiten fielen die Toten aufs Gras..." So schildert die Reimchronik den Angriff auf die russische Vorhut. Der russische Chronist berichtet, daß die Deutschen und Tschuden die Polks in Keilordnung durchbrachen. Dabei stießen die schwerfälligen gepanzerten Ritter jedoch auf das abschüssige Seeufer und konnten daher ihren Erfolg nicht ausbauen. Im Ritterheer brach sogar ein Chaos aus, als die Glieder aneinander drängten und sie sich im Kampf nicht entfalten konnten.

 

Die zweite Etappe der Schlacht - die Einschließung der deutschen Ritter durch die russischen Polks

Die Flügel der russischen Schlachtordnung hinderten die Deutschen daran, ihren Erfolg in Richtung der Flanken weiter auszubauen. Die Russen nahmen den Keil der Deutschen in die Zange. Gleichzeitig griff die Drushina Alexanders den Feind im Rücken an und schloß den Gegner völlig ein.'„... der Brüder Heer ward umringt... " Die Nowgoroder zerrten die Ritter mit ihren Lanzen von den Pferden, und mit den Weidmessern setzten sie die Pferde außer Gefecht. „Und es war eine böse und große Schlacht für die Deutschen und Tschuden, und es war ein Krachen vom Splittern der Lanzen und ein Klirren der Schwerthiebe, wie wenn der zugefrorene See sich bewegte, und man konnte das Eis nicht sehen, da es sich mit Blut bedeckt hatte" , berichtete ein Augenzeuge. Unter der Last der zusammengedrängten schwerbewaffneten Ritter gab das Eis nach. Einige konnten den Einschließungsring durchbrechen und versuchten zu flüchten, aber viele Ritter ertranken.

 

Die dritte Etappe der Schlacht - die Verfolgung des geschlagenen Gegners

Die Überreste des regellos fliehenden Ritterheeres wurden von den Nowgorodern über das Eis des Peipussees bis zum entgegengesetzten Ufer verfolgt. „ ... und die Feinde wandten sich zur Flucht, wurden verfolgt und niedergehauen wie vom Wind, und sie konnten nirgendwohin entkommen; und sie schlugen sie sieben Werst lang auf dem Eise bis zum Subolitschkiufer", schreibt der Chronist.

Der Sieg über die deutschen Ritter war vollständig.

 

Fazit:

Allein 500 Ritter wurden erschlagen und „eine Unzahl" des übrigen Heeres; 50 aristokratische Ritter wurden von den Nowgorodern gefangengenommen. Die „stolzen" Ritter mußten den berittenen Siegern gefesselt und barfuß über das Eis bis nach Pskow folgen.

Im Sommer 1242 schickten die Ordensbrüder Boten nach Nowgorod, die erklärten: „...wir sind mit dem Schwert in Pskow, in das Land der Woten, in Luga und Lettgallen eingedrungen, von alledem lassen wir ab, und was wir an euren Leuten gefangen haben, wollen wir austauschen; wir werden eure freilassen, und ihr laßt die unsrigen frei, und wir werden auch die Gefangenen aus Pskow in Freiheit setzen." Die Nowgoroder gingen auf diese Bedingungen ein und schlossen Frieden.

 Der Sieg über das Heer der deutschen Feudalherren war von großer politischer und strategischer Bedeutung. Er sicherte die Nordwestgrenze des Nowgoroder Gebiets zu einem Zeitpunkt, als die Tataro‑Mongolen von ihrem Kriegszug gegen Westeuropa zurückkehrten. Alexander Newski verhandelte mit Batu, dem Chan der Goldenen Horde, und schützte Nowgorod durch  seine geschickte Politik vor einem Einfall der Tataro-Mongolen. 

Das Nowgoroder Heer verteidigte sich auch erfolgreich gegen die litauischen Feudalherren. Alexander Newski strebte in diesem Kampf den Zusammenschluß Nowgorods und des Fürstentums Polozk sowie die Befestigung der Südwestgrenze des Nowgoroder Landes an. 1238 ließ er von den Nowgorodern eine Festung am Schelon, an den südwestlichen Zugängen nach Pskow, bauen.

Ein russischer Chronist berichtet, daß Alexander die Litauer im Jahre 1245 auf dem Gebiet der Fürstentümer Smolensk und Polozk bei Toropez, Shishez und Uswjat besiegte. Diese Siege sicherten die Südwestgrenze Nowgorods.

„Der Name des Großfürsten Alexander Jaroslawitsch begann in allen Ländern geachtet zu werden, von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer..., sogar bis zum großen Rom war sein Name gedrungen, sein Name hatte sich über Tausende und aber Tausende verbreitet", schreibt die Chronik über Alexander Newski. Nach dem Chronisten war „dieser Großfürst überall siegreich und von niemandem besiegbar". Innenpolitisch stützte sich Alexander Newski auf die mittleren und niederen Schichten der Handwerker, Kaufleute und Grundbesitzer. Er wollte die russischen Fürstentümer zusammenschließen.

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