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Karthago, seine Flotte, seine Armee und seine Kriege
Nordafrika war von alters her Kolonisationsobjekt des „Seevolkes" der Phöniker. Zum Mittelpunkt der phönikischen Kolonien wurde Karthago, eine - der Überlieferung zufolge - im Jahre 814 v. u. Z. gegründete Kolonie der Stadt Tyros.
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Karthago lag an der Nordküste Afrikas auf einer Halbinsel im Golf von Tunis. Durch eine kleine Landenge war die Halbinsel mit dem Festland verbunden; das begünstigte die Verteidigung der Stadt nach der Landseite. Die Länge der Stadtmauern betrug 30 Kilometer. Die Stadt bestand aus drei Teilen, und zwar aus Megara, wo die Mehrzahl der Bevölkerung lebte, aus der Zitadelle Byrsa und aus Cothon, dem Südteil der Stadt. In seiner Blütezeit hatte Karthago 700 000 Einwohner.
Nach der Landseite wurde die Stadt durch drei Reihen zweistöckiger Steinmauern von 13 Meter Höhe und 2 Meter Breite geschützt. In Abständen von 150 bis 200 Metern waren die Mauern mit 18 Meter hohen vierstöckigen Türmen bewehrt. In den Mauern hatten 20000 Krieger, 4000 Pferde und 300 Kampfelefanten Platz. In den Türmen befanden sich die Arsenale und Vorratshäuser.
Karthago hatte zwei gut geschützte Häfen, den Handelshafen und den Kriegshafen, die ein 22 Meter breiter Kanal verband. Die Hafeneinfahrt wurde durch schwere Ketten gesperrt. Im Hafen von Karthago konnten unter den gewölbten Überdachungen bis zu 220 große Schiffe gleichzeitig vor Anker gehen. Auf der Insel Cothon, die den Hafen vom Golf trennte, lagen Werften und Speicher.
Mitte des 5. Jahrhunderts v. u. Z. hatte sich Karthago in einen mächtigen Sklavenhalterstaat verwandelt, der einen großen Teil der nordafrikanischen Küste beherrschte, in Sizilien eingedrungen war und sich auf der Pyrenäenhalbinsel festgesetzt hatte.
Den Kern des karthagischen Heeres bildete die zu Fuß kämpfende „heilige Schar", in der sich der karthagische Adel auf das Kriegshandwerk vorbereitete. Auch die künftigen Führer des karthagischen Heeres erhielten hier ihre Ausbildung. Ein Teil der reichen Bürger diente bei der schweren Reiterei, die eine gesonderte Truppe bildete. Drohte der Stadt unmittelbare Gefahr, waren alle kampffähigen Bürger verpflichtet, zu den Waffen zu greifen. Dadurch erhöhte sich die Stärke des Heeres auf 40000 Mann Fußvolk und 1000 Reiter.
Den zweiten Bestandteil bildeten die von den abhängigen afrikanischen Stämmen und von den Bundesgenossen gestellten Kontingente. Die Zuverlässigkeit dieser Aufgebote hing von der politischen Situation ab. Nicht selten kehrten sie ihre Warfen gegen Karthago.
Die Söldner machten den wesentlichsten und kampfstärksten Teil des Heeres aus. Vom karthagischen Senat entsandte Werber bereisten verschiedene Länder und schlossen mit den Stammesführern Verträge ab über die Anzahl der zu stellenden Krieger, über ihre Löhnung und Dienstzeit. So wurden bei den selbständigen afrikanischen Stämmen, auf der Pyrenäenhalbinsel, in Gallien, Italien und Griechenland sowie auf den Mittelmeerinseln Söldner angeworben.
Das karthagische Heer setzte sich aus Fußvolk, Reiterei, Kampfwagen und Kampfelefanten zusammen. Die heilige Schar war mit langen Stoßlanzen bewaffnet. Die afrikanischen Stämme stellten eine gut ausgebildete, mit Wurfspießen und Schwertern bewaffnete leichte Reiterei (numidische Reiterei). Das schwere Fußvolk und die schwere Reiterei bestanden aus Iberern; sie waren mit langen Schwertern zum Stechen und Hauen ausgerüstet. Die Gallier lieferten Fußtruppen, die mit nur zum Hauen geeigneten Schwertern bewaffnet waren. Auf den Balearen wurden vorzügliche Schleuderer angeworben; sie schleuderten Steine oder kleine Bleikugeln.
Die für das karthagische Heer charakteristische verschiedenartige Zusammensetzung war zugleich auch seine Schwäche. Nach Polybios hielten es die Karthager jedoch für günstig, daß die Söldner verschiedenen Stämmen angehörten. Ihrer Meinung nach waren Krieger, die sich untereinander nicht verständigen konnten, auch nicht in der Lage, eine Verschwörung, einen Aufstand oder Verrat anzuzetteln. Andererseits aber war es wiederum schwierig, ein solches Heer zu führen.
An der Spitze der Flotte und des Heeres standen Vertreter der Oligarchie. Es gab kein einheitliches Kommando. Nur in Ausnahmefällen wurde der Oberbefehl über Heer und Flotte zur Lösung einzelner Aufgaben in eine Hand gelegt. Die Feldherren unterstanden dem „Rat der Einhundertvier", der die Kampfhandlungen von Karthago aus leitete. Das wirkte sich negativ auf den Verlauf des Krieges aus.
Die Schlachtordnung des karthagischen Heeres bestand in der Regel aus drei Teilen; und zwar bildete die numidische Reiterei den linken und den rechten Flügel, die Hauptkräfte aber, das heißt alle anderen Truppen, das Zentrum. Die balearischen Schleuderer schwärmten vor der Front aus und deckten die gesamte Schlachtordnung.
Das Heer bezog meist ein befestigtes Lager, das sorgfältig bewacht wurde. Die karthagischen Krieger wurden vorwiegend aus örtlichen Mitteln unterhalten und verheerten dadurch das Land, in dem Krieg geführt wurde.
In der Geschichte Karthagos gehören die Sizilischen Kriege und die Punischen Kriege zu den wichtigsten Ereignissen.
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