Koalitionskriege 1792-1815

Die auf der Grundlage unterschiedlicher Bündnisse geführten 7 Kriege der europäischen Feudalmächte und Großbritanniens gegen das revolutionäre und das napoleonische Frankreich.

Die Französische Revolution von 1789 entschied den weltgeschichtlichen Sieg des Bürgertums/Kapitalismus. Gegen das bürgerliche Frankreich bildeten sich 7 Koalitionen, deren Kriege unterschiedlichen und in sieh widersprüchlichen Charakter trugen. Die Koalitionskriege begannen als Intervention gegen die Französische Revolution und wurden mit der Unterjochung großer Teile Europas durch das französische Kaiserreich zum Befreiungskampf der Völker. Mit ihnen verschmolzen die Durchsetzung bürgerlicher Verhältnisse, die Auseinandersetzung um die politisch-ökonomische Vorherrschaft auf dem europäischen Kontinent und der Konkurrenz- und Kolonialkrieg zwischen Großbritannien und Frankreich. Initiator und Geldgeber aller antifranzösischen Koalitionen war Großbritannien.

In den Koalitionskriegen. bewies das bürgerliche seine Überlegenheit über das feudalabsolutistische Militärwesen. Schöpfer des neuen Militärwesens, das sich vor allem durch massenhaften Einsatz der Kräfte und Mittel sowie durch deren hohe Beweglichkeit auszeichnete, waren die revolutionären Volksmassen Frankreichs. Das französische Massenheer beruhte auf der –„ allgemeinen Wehrpflicht (1793 Levee en masse)“ bzw. der Konskription (seit 1798). Voraussetzungen für den Offiziersstand waren nicht mehr adlige Herkunft, sondern Verdienst und Tapferkeit. In der Heeresorganisation entstanden - Divisionen und Korps ( Armeekorps) als feste Einrichtungen, die alle Waffengattungen umfaßten. Die Divisionen handelten entweder selbständig oder wurden zu Korps bzw. Armeen vereinigt. Die sich herausbildende neue Kriegführung war charakterisiert durch die Verbindung von Tirailleur- und Kolonnentaktik, das Requisitionssystem und eine Strategie, die nach rascher Vernichtung des Gegners durch entscheidende Schläge strebte. Zur Entwicklung der neuen Kriegskunst trug vor allem Napoleon Bonaparte (1769-1821) bei, ein sehr begabter Feldherr und seit 1804 französischer Kaiser. Er verstand es hervorragend, die Ergebnisse der Revolution auf militärischem Gebiet auszunutzen. Bei Beginn der Koalitionskriege. besaßen die meisten europäischen Feudalmächte und das kapitalistische Großbritannien noch stehende Söldnerheere mit allen ihren Mängeln (Desertionsanfälligkeit, schwerfälliger Troß, Abhängigkeit vom Magazinsystem usw.). Die Armeen kämpften mit der veralteten  Lineartaktik und Manöverstrategie. Katastrophale Niederlagen in den Koalitionskriegen. zwangen jedoch Preußen ( Militärreformen in Preußen 1807-1815 ), Österreich und andere Feudalstaaten, ihr Militärwesen nach französischem Vorbild zu reformieren. In der Koalition verfügte Rußland über das zahlenmäßig stärkste Heer, dessen Mannschaften national homogen zusammengesetzt waren. Großbritannien besaß die mit Abstand stärkste Flotte und errichtete gegen Frankreich eine Blockade zur See.

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I. Koalitionskrieg. 1792-1797

Vorreiter der Feudalreaktion gegen die Französische Revolution waren Österreich und Preußen. Ihrer Deklaration von Pillnitz (27.8. 1791) folgten verstärkte Rüstungen und das Kriegsbündnis gegen Frankreich (7.2.1792). Die am 20.4. 1792 beschlossene französische Kriegserklärung an Österreich löste den l. Koalitionskrieg. aus. In dem ihm aufgezwungenen Krieg kämpfte Frankreich um die Verteidigung der Revolution und der nationalen Unabhängigkeit. Seine Armee zählte zunächst etwa 90000 Mann Linientruppen und Freiwillige, war jedoch desorganisiert. Hauptstoßkraft der Feudalreaktion bildete die bis Juli im Raum Koblenz aufmarschierte preußisch-österreichisch-hessische Interventionsarmee in Stärke von etwa 70000 Mann. Ihr Oberbefehlshaber, der preußische Generalfeldmarschall Herzog Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig (1735-1806), verkündete in einem Manifest vom 25. 7. als Kriegsziel die Vernichtung der revolutionären französischen Armee.

Die Kampfhandlungen begannen Ende April 1792 mit erfolglosen Versuchen der französischen Truppen, die österreichischen Niederlande (Belgien) zu erobern. Mitte August fiel die von 8000 Emigranten begleitete Interventionsarmee in die Champagne ein und marschierte auf Paris. Durch Verrat gelangte sie in den Besitz der Festungen Longwy und Verdun (2.9.). Die tödliche Gefahr für Frankreich wurde vor allem durch den revolutionären Aufschwung der Volksmassen und energische Maßnahmen zur Heeresverstärkung gebannt. Die Revolutionstruppen hielten am 20.9. bei Valmy 1792 stand und veranlaßten die Angreifer zum Rückzug. Ende September ging die Revolutionsarmee zur Offensive über. Rheinische Gebiete sowie Savoyen und Nizza wurden besetzt. An der Nordfront siegten die Revolutionstruppen bei Jemappes (6. 11.) in der ersten großen Feldschlacht über die Österreicher, die Belgien aufgeben mußten. Unter dem Einfluß der Erfolge der Revolution und des vom Konvent dekretierten «Propagandakrieges» (19.11.) zur Unterstützung des Befreiungskampfes der Völker nahm die antifeudale Volksbewegung überall einen neuen Aufschwung. Er kulminierte auf deutschem Boden in der Proklamation der Mainzer Republik am 18. 3. 1793 ( Mainz 1793).

Vor allem die französische Besetzung Belgiens bewirkte Anfang 1793 den Kriegseintritt Großbritanniens, das die erste große Koalition gegen Frank­reich organisierte. Sie umfaßte schließlich Großbritannien, Österreich, Preußen, Sardinien, die Niederlande, Spanien, Toskana, Neapel sowie das römisch-deutsche Reich (Kriegserklärung am 22.3. 1793) und wurde von Rußland unterstützt. Die Verbündeten erzielten zunächst Erfolge gegen die geschwächte französische Armee: Rückgewinnung Belgiens nach der Schlacht bei Neerwinden (18.3.); Vormarsch auf dem rheinischen Kriegsschauplatz und Einnahme von Mainz (23.7.); britische Landung in Toulon (27. 8.). Die militärischen Niederlagen in Wechselwirkung mit dem konterrevolutionären Bürgerkrieg spitzten die Lage der Republik seit Frühjahr 1793 gefährlich zu. Durch die Errichtung der Jakobinerdiktatur und ihre Maßnahmen einer revolutionären Kriegspolitik und Kriegführung (Levee en masse, Nationalisierung der Rüstungsproduktion, Säuberung der Kommandostellen u. a.) konnte jedoch im Herbst an den Fronten eine Wende herbeigeführt werden. Die bei Hondschoote (8.9.) und Wattignies (15./16. 10.) geschlagenen Interventen mußten sich aus Nordfrankreich zurückziehen, und die britischen Truppen wurden aus Toulon vertrieben (19. 12.). Im Dezember drängte die Revolutionsarmee die preußisch-österreichischen Truppen über den Rhein zurück und befreite das Elsaß (Sieg bei Weißenburg am 26. 12.). Diese Erfolge wurden durch den Gegensatz zwischen Preußen und Österreich begünstigt, der sich nach der zweiten Teilung Polens (Anfang 1793) verschärft hatte und die gemeinsame Kriegführung hemmte. Seit Beginn des Feldzuges 1794 lag das zahlenmäßige Übergewicht beim revolutionären Volksheer Frankreichs, dessen Stärke im Frühjahr die Millionengrenze erreichte. Seine Neugliederung in strukturell weitgehend einheitliche Divisionen erhöhte die Kampfkraft. Auf dem Hauptkriegsschauplatz Belgien begann Mitte April die französische Offensive. Die Entscheidung fiel in der Schlacht bei Fleurus (26.6.) mit dem Sieg über die österreichisch-britisch-niederländischen Hauptkräfte, die Belgien erneut räumen mußten. Im Winter 1794/95 wurden die Niederlande erobert und in eine französische Vasallenrepublik (Batavische Republik) umgewandelt. Auf dem rheinischen Kriegsschauplatz griffen die Revolutionstruppen seit Mitte Juli an und besetzten bis Ende 1794 das ganze linksrheinische Gebiet, nachdem sich die preußisch-österreichischen Truppen wieder über den Rhein zurückgezogen hatten. Hierbei wirkte sich der polnische Nationalaufstand zugunsten Frankreichs aus, da starke preußische Kräfte zu seiner Unterdrückung eingesetzt wurden. Nur in Oberitalien errang die Revolutionsarmee kaum Vorteile. Die Beseitigung der akuten militärischen Bedrohung der Republik trug zum Sturz der Jakobinerdiktatur (27.7. 1794) bei. Es blieb jedoch unter der Herrschaft des großbürgerlichen Direktoriums (1795-1799) die wichtigste Aufgabe, die Republik gegen die konterrevolutionäre Koalition zu verteidigen und damit die Erfolge der Revolution zu sichern. Der Krieg behielt französischerseits seinen prinzipiell gerechten Charakter, wenn auch das Element der Plünderung und Eroberung immer stärke hervortrat. Erst viele Jahre später, nach dem Sieg der Reaktion im Innern des Landes, verwandelte die Diktatur Napoleons die Verteidigungskriege Frankreichs in Eroberungskriege. 1795 schieden Preußen, Spanien, die Niederland und Toskana aus der Koalition aus. Um freie Hand für seine Polenpolitik zu erhalten (1795 dritte Teilung Polens), schloß Preußen am 5.4. 1795 mit Frankreich den Frieden von Basel, dem die Neutralisierung Norddeutschlands folgte. Frankreichs Kriegführung richtete sich nun vor allem gegen Österreich. Die im September 1795 eingeleitete französische Offensive nach Süddeutschland, um eine Operationsbasis gegen Österreich zu gewinne, scheiterte jedoch mit der Schlacht bei Handschuhsheim nahe Heidelberg (24.9.). Das vernachlässigte französische Heer zählte im Felde nur noch 45000 Mann. Nach längerem Waffenstillstand nahmen die französischen Truppen im Juni 1796 die Offensive wieder auf. Sie drangen bis nach Franken und Bayern vor, mußten aber nach österreichische Siegen bei Amberg (24.8.) und Würzburg (3.9 abermals über den Rhein zurückgehen. Die Entscheidung fiel auf dem italienischen Kriegsschauplatz. Die schlecht versorgte und ausgerüstete französische Armee in Italien, seit Anfang März 1796 von Napoleon Bonaparte befehligt, zwang im April Sardinien zur Waffenstreckung, vertrieb in einem glänzenden Feldzug bis Ende 1796 die Österreicher aus fast ganz Oberitalien und plünderte das Land aus. Als die französischen Truppen nach dem Sieg bei Rivoli (14. 1. 1797) und der Einnahme der Festung Mantua (2. 2.) auf innerösterreichisches Gebiet vorstießen und Wien bedrohten, schloß Österreich am 7.4. 1797 Waffenstillstand, der zum Vorfrieden von Leoben (18. 4.) führte. Der 1. Koalitionskrieg endete mit dem französisch-österreichischen Frieden von Campo Formio vom 17. 10. 1797; der Frieden zwischen Frankreich und dem Reich sollte auf dem Rastatter Kongreß (seit Ende 1797) hergestellt werden. Trotz des französischen Sieges im l. Koalitionskrieg war die Gefahr einer konterrevolutionären Intervention noch nicht beseitigt, zumal Großbritannien den Krieg fortsetzte.

2. Koalitionskrieg 1799-1802

Alpenübergang der russischen Truppen, September 1799

Während Frankreich seit Sommer 1798 durch Feldzüge in Ägypten und Syrien versuchte, die britische Kolonialherrschaft in Indien zu bedrohen, brachte Großbritannien eine neue antifranzösische Koalition mit Rußland, Österreich, der Türkei, Neapel und Portugal zustande. Ihr Ziel war, Frankreich auf die Grenzen von 1792 zu beschränken und die Bourbonendynastie zu restaurieren. Um dem Angriff der Koalition zuvorzukommen, eröffnete Frankreich Anfang März 1799 ohne Kriegserklärung die Offensive in Süddeutschland, der Schweiz und Oberitalien. Daraufhin erklärte Österreich am 12.3. den Krieg

Auf dem süddeutschen Kriegsschauplatz zwangen überlegene österreichische Kräfte unter Feldmarschall Erzherzog Karl von Österreich (1771-1847) nach Siegen bei Ostrach (20.3.) und Stockach (25. 3.) die Franzosen zum Rückzug über den Rhein. Dadurch verlor die revolutionäre republikanische Bewegung in Süddeutschland, die von der französischen Regierung nicht mehr unterstützt wurde, ihre Wirkungsmöglichkeit. In der Schweiz und Oberitalien erlitten die mangelhaft versorgten und ohne einheitliche strategische Führung kämpfenden französischen Verbände ebenfalls schwere Niederlagen. Besonders die Siege der russischen Truppen unter Generalfeldmarschall A. W. Suworow (1729-1800), u.a. bei Bassano (24.4.) und Novi (15.8.), trugen zum Zusammenbruch der französischen Herrschaft in Italien bei. Russisch-österreichische Gegensätze in den Kriegszielen beeinträchtigten die weiteren Operationen. Auf österreichisches Betreiben mußte die russische Armee schließlich in die Schweiz abmarschieren. Ende September erfolgte ihr großartiger Alpenübergang, doch konnte sie die Niederlage der Verbündeten bei Zürich (25./26.9.) nicht mehr verhindern. Als zudem im Oktober ein britisch-russisches Landungsunternehmen in den Niederlanden fehlschlug, zog Rußland seine Truppen zurück und trat Ende 1799 aus der Koalition aus.

Die im Gefolge der militärischen Niederlagen entstandene innere Krise in Frankreich führte am 9. 11. 1799 zum Staatsstreich Napoleon Bonapartes, der die offene Diktatur im Interesse der Großbourgeoisie errichtete. Die im Frühjahr 1800 begonnene Doppeloffensive der reorganisierten französischen Armee in Oberitalien sowie in der Schweiz und in Süddeutschland brachte die Kriegsentscheidung. Bei Marengo (14.6.) erlitt die österreichische Armee eine schwere Niederlage und mußte Oberitalien räumen. Nachdem auch in Süddeutschland die französischen Truppen bei Höchstädt (19.6.) und Hohenlinden (3. 12.) gesiegt hatten, schloß das von 2 Seiten bedrohte Österreich am 9.2. 1801 den Frieden von Luneville. Dieser bezog das Reich ein, das alle linksrheinischen Gebiete an Frankreich abtreten mußte. Die daraus folgende und unter französischem Diktat vollzogene Umgestaltung des Reiches (25.2.1803 Reichsdeputationshauptschluß) bedeutete eine Neuverteilung der Machtverhältnisse zwischen den deutschen Staaten und praktisch die Auflösung des Reichsverbandes. Der 2. Koalitionskrieg wurde am 25. 3. 1802 mit dem französisch-britischen Frieden von Amiens beendet.

3. Koalitionskrieg 1805

Bereits am 18. 5. 1803 brach der Krieg zwischen Großbritannien und Frankreich (seit 1804 Kaiserreich) erneut aus. Französische Truppen besetzten Hannover, und eine „Große Armee“ wurde bei Boulogne für eine Landung in England versammelt, ein Vorhaben, das sich als unreal erwies. Auf britische Initiative bildete sich 1805 die dritte Koalition mit Großbritannien, Rußland, Österreich, Schweden und Neapel. Ihr Ziel war es, die französische Herrschaft in Italien, der Schweiz, den Niederlanden und Norddeutschland zu beseitigen. Damit sollte zugleich die bürgerlich-fortschrittliche Bewegung in den mittel- und westeuropäischen Ländern geschwächt werden. Preußen blieb neutral. Die Koalition verfügte über 420000 Mann, verteilt auf mehrere Kriegsschauplätze. Die Entscheidung erwartete sie in Oberitalien, wo die österreichischen Hauptkräfte aufmarschierten. Kaiser Napoleon I. beabsichtigte dagegen, Österreich nördlich der Alpen vor dem Eintreffen der russischen Armee zu besiegen. Obwohl er nur über 250000 Mann verfügte, gelang es ihm, auf dem Hauptkriegsschauplatz Süddeutschland überlegene Kräfte zu vereinigen (200000 Mann). Da sich neben Spanien auch Bayern, Württemberg und Baden mit ihm verbündeten, war ein ungehinderter französischer Aufmarsch möglich.

Als Anfang September 1805 eine österreichische Armee in Bayern eindrang, zogen französische Korps aus Frankreich, Holland und Hannover in Eilmärschen an die Donau und vereinigten sich mit den süddeutschen Truppen. Die österreichische Armee wurde strategisch umfaßt und ihre in Ulm eingeschlossene Hauptgruppierung (25000 Mann) am 17. 10. zur Kapitulation gezwungen. Damit war der Weg nach Wien frei, in das Napoleon am 13. 11. einzog. Inzwischen marschierten die österreichischen Truppen aus Oberitalien zurück, konnten jedoch die Kriegsentscheidung nicht mehr beeinflussen. Diese fiel am 2. 12. in der sog. Dreikaiserschlacht bei Austerlitz in Mähren. Während der Angriff der russisch-österreichischen Armee (85000 Mann) gegen den französischen rechten Flügel scheiterte, durchbrachen die französischen Truppen (73000 Mann) das gegnerische Zentrum. Die Verbündeten mußten sich unter schweren Verlusten an Menschen (über 26000 Tote, Verwundete und Gefangene) und Geschützen zurückziehen. Mit dem Feldzug von 1805 erreichte Napoleons Kriegskunst ihren Höhepunkt. Der 3. Koalitionskrieg von Napoleon mit einer Generalschlacht (Austerlitz) entschieden, endete mit dem österreichisch-französischen Frieden von Preßburg am 26. 12. 1805. Rußland zog seine Truppen ab, blieb aber im Kriegszustand mit Frankreich. Auch Großbritannien setzte den Krieg fort. Durch die Vernichtung der französisch-spanischen Flotte bei Trafalgar (21. 10. 1805) hatte es seine unumschränkte Seeherrschaft gesichert und war für Napoleon unangreifbar geworden. Eine wichtige politische Folge des 3. Koalitionskriegs  bestand in der Gründung des Rheinbundes unter dem Protektorat Napoleons (Rheinbundakte vom 12.7.1806), dessen Mitglieder sich an einem von Frankreich geführten Krieg mit Truppen (insgesamt 63000 Mann) und Geld beteiligen mußten. Die anschließende Niederlegung der deutschen Kaiserwürde durch Kaiser Franz II. (1768-1835) am 6. 8.1806 besiegelte das Ende des römisch-deutschen Reiches.

4. Koalitionskrieg 1806/07

 Preußen hatte am 15.12.1805 einen Bündnisvertrag mit Frankreich geschlossen und das mit Großbritannien durch Personalunion verbundene Kurfürstentum Hannover zugesichert erhalten. Im März 1806 besetzte es Hannover und sperrte auf Druck Napoleons alle Häfen für den britischen Handel. Napoleons Angebot, Hannover als Preis für einen Frieden an Großbritannien zurückzugeben, führte zur preußischen Mobilmachung und schließlich am 9. 10. 1806 zur Kriegserklärung an Frankreich. Preußen wurde von Rußland, Sachsen, Sachsen-Weimar, Braunschweig und Hannover unterstützt. Die vom Herzog von Braunschweig geführte preußisch-sächsische Armee (150000 Mann) marschierte schwerfällig nördlich des Thüringer Waldes auf. Napoleon zog französische und Rheinbundtruppen (200 000 Mann) am oberen Main zusammen und stieß Anfang Oktober rasch nach Norden vor. Nach den ersten verlorenen Gefechten (9.10. bei Schleiz, 10.10. bei Saalfeld) wurde preußischerseits jeder Offensivgedanke aufgegeben. Die Kriegsentscheidung fiel am 14. 10. in der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt 1806, in der das preußische Heer eine vernichtende Niederlage erlitt. Während die geschlagenen Truppen bei Prenzlau (28. 10.) und Lübeck (7.11.) kapitulierten, ergab sich kampflos eine preußische Festung nach der anderen. Die Verteidigung von  Kolberg 1807 zählte zu den rühmlichen Ausnahmen. Binnen kurzem war ganz Norddeutschland in französischer Hand. Am 27. 10. 1806 zog Napoleon in Berlin ein und dekretierte von hier aus am 21. 11. die Kontinentalsperre gegen Großbritannien. Ende 1806 schloß er Frieden mit Sachsen, das dem Rheinbund beitrat und ein Hilfskorps vor. 6000 Mann gegen Preußen stellte.

Den Zusammenbruch des feudalabsolutistischen preußischen Staates konnte auch die russische Armee nicht aufhalten, die Ende Oktober in Preußen einrückte. Gemeinsam mit schwachen preußischen Kräften hielt sie jedoch in der Schlacht bei  Preußisch-Eylau 1807 (7./ 8.2.) gegen die französische Armee stand. Erstmals verließ Napoleon das Schlachtfeld nicht als Sieger. Obwohl sich Rußland und Preußen im Bündnisvertrag von Bartenstein (26. 4.) zur Fortsetzung des Krieges verpflichteten, wurde nach der russischen Niederlage am 14. 6. bei Friedland ein Waffenstillstand geschlossen. Der 4. Koalitionskrieg endete mit den Friedensverträgen von Tilsit zwischen Frankreich und Rußland vom 7.7. sowie zwischen Frankreich und Preußen vom 9. 7., ergänzt durch die Konvention von Königsberg vom 12. 7. 1807 und die Pariser Konvention 1808. Preußen verlor über die Hälfte seines Gebietes, bewahrte jedoch unter dem Zwang der bedrückenden Verträge seine Selbständigkeit. Der Tilsiter Frieden war die größte Erniedrigung Deutschlands und gleichzeitig eine Wendung zu einem gewaltigen nationalen Aufschwung. Tilsit markierte den Höhepunkt der französischen Vorherrschaft in Europa. Während Napoleons Kriegsziele abenteuerliche Ausmaße annahmen, erstarrten seine Kriegskunst und Führungsmethoden zur Routine. Kampfkraft und Moral des französischen Heeres, in dem der Anteil fremder Truppen wuchs, begannen zu sinken. Napoleons Gegner aber lernten zunehmend, die neue Kriegskunst anzuwenden.

5. Koalitionskrieg. 1809

Der von Großbritannien mit Waffen und Truppen unterstützte spanische Volkskrieg (Guerillakrieg) gegen die französische Fremdherrschaft sowie die Bedrohung seines Besitzstandes veranlaßten Österreich seit Sommer 1808, gegen Frankreich zu rüsten. Die nach 1805 eingeleiteten Militärreformen, insbesondere die Errichtung einer Landwehr, hatten Österreich militärisch gestärkt. Sein antinapoleonischer Kampf fand in Norddeutschland lebhaften Widerhall und löste mehrere  nationale Erhebungen 1809 aus. Die mit der Kriegserklärung an Frankreich (9.4.1809) verbundene Hoffnung auf preußische Hilfe erfüllte sich nicht. Österreich erhielt nur geringe britische Unterstützung; Rußland erklärte ihm am 5. 5. sogar den Krieg. Die österreichischen Hauptkräfte unter Erzherzog Karl drangen seit 10.4. aus Böhmen nach Bayern vor. Ihr langsamer Aufmarsch ermöglichte es Napoleon, die in Süddeutschland getrennt stehenden französischen und Rheinbundtruppen zu konzentrieren. Die Österreicher wurden am 20. 4. südlich Regensburg in mehreren Gefechten (Schlacht von Abensberg) und am 22.4. bei Eggmühl geschlagen. Die strategische Initiative ging an die napoleonische Armee über, die Wien am 13. 5. kampflos besetzte. Ihr Versuch, mit 110000 Mann die Donau zu überschreiten, scheiterte jedoch bei Aspern (21./22. 5.). Es war ihre erste Niederlage in einer offenen Feldschlacht. Da das österreichische Oberkommando den Erfolg nicht ausnutzte, konnte Napoleon seine Kräfte verstärken und durch den Sieg bei Wagram (5./6.7.) den Donauübergang erzwingen. Obwohl Österreich noch über bedeutende Reserven verfügte, schloß es aus Furcht vor einem militärischen Zusammenbruch und einem revolutionären Volkskrieg am 12.7. 1809 den Waffenstillstand von Znaim. Damit wurde auch der von Andreas Hofer (1767-1810) geführte Freiheitskampf der Tiroler gegen das bayrische Okkupationsregime verraten. Er begann bei Kriegsausbruch, wurde aber von den österreichischen Truppen nur mangelhaft unterstützt. Die unzureichend bewaffneten und in Schützen- und Landsturmeinheiten organisierten Tiroler siegten in 3 Schlachten am Berg Isel (11.-13.4., 28.-29. 5., 13.8.) gegen bayrisch-französische Truppen. Dem konzentrischen Angriff überlegener Kräfte, der Mitte Oktober begann, vermochten sie jedoch nicht mehr standzuhalten (1.-4. 11. vierte Schlacht am Berg Isel). Bis Ende 1809 wurde Tirol unterworfen und wieder Bayern angegliedert. Der 5. Koalitionskrieg  war am 14.10.1809 mit dem Frieden von Schönbrunn beendet worden. Auch der Sieg über Österreich, das sich in der Folgezeit mit Napoleon verständigte, konnte nicht verhindern, daß die Krise des napoleonischen Systems voranschritt.

6. Koalitionskrieg 1813/14

Die Vernichtung der napoleonischen Großen Armee im Vaterländischen Krieg 1812 des russischen Volkes von 594000 Mann kehrten nur 81000 zurück veränderte schlagartig das militärische Kräfteverhältnis auf dem Kontinent. Sie gab, das Signal zum allgemei­nen Aufstand gegen die französische Oberherrschaft in Europa. Das russisch-preußische Bündnis gegen Frankreich vom 27./28.2.1813 war Ausgangspunkt der sechsten Koalition, die im Spätsommer 1813 Rußland, Preußen, Großbritannien, Schweden, Österreich, Spanien, Portugal und die beiden Mecklenburger Herzogtümer umfaßte. Neben dem gemeinsamen Ziel, das napoleonische Frankreich zu besiegen, verfolgten die Koalitionspartner eigennützige Kriegsziele. Dadurch und durch das Fehlen eines einheitlichen Oberbefehls wurde die gemeinsame Kriegführung beeinträchtigt. Zudem schwächte die Bildung der Koalition, besonders der Beitritt Österreichs (10. 8.), den Einfluß der patriotischen Kräfte auf den bewaffneten Kampf zugunsten der feudalreaktionären Kreise.

Die preußische Kriegserklärung vom 16.3.1813 an Frankreich, auf dessen Seite die Rheinbundstaaten und Dänemark standen, eröffnete mit dem 6. Koalitionskrieg. zugleich den  nationalen Unabhängigkeitskrieg 1813/14 des deutschen Volkes. Auf dem deutschen Kriegsschauplatz fiel nach französischen Anfangserfolgen die Entscheidung in der Völkerschlacht bei  Leipzig 1813 (16.-19. 10.). Mit dem Rückzug der zerschlagenen napoleonischen Armee über den Rhein brach die französische Fremdherrschaft zusammen. Bis Ende November gingen alle Rhein­bundstaaten zur Koalition über, um ihre Souveränität zu retten. Auch Dänemark trat im Januar 1814 auf die Seite der Verbündeten. In Spanien hatten die britisch-spanisch-portugiesischen Truppen und vor allem der Guerillakrieg die französischen Okkupanten bis Ende 1813 fast aus dem ganzen Land vertrieben. Auf dem italienischen Kriegsschauplatz verschlechterte sich die Lage der napoleonischen Truppen durch österreichische Erfolge und den Frontwechsel Neapels, doch übte dies nur geringen Einfluß auf den Gesamtkriegsverlauf aus. Napoleons mangelnde Friedensbereitschaft und seine fieberhaften Rüstungen zwangen die Verbündeten, den Krieg fortzusetzen. Der mit Jahresbeginn 1814 eingeleitete Feldzug in Frankreich wurde jedoch von Verhandlungen mit Napoleon begleitet ( 5.2.-19.3.

Kongreß von Chatillon-sur-Seine) und deshalb nicht energisch geführt. Er endete mit der Kapitulation von Paris (30.3.) und der Abdankung Napoleons (6.4.). Auch auf den Nebenkriegsschauplätzen wurden die Kampfhandlungen eingestellt. Die Verbündeten restaurierten die Bourbonenherrschaft, verbannten Napoleon nach Elba und legten im ersten Pariser Frieden vom 30.5. 1814 für Frankreich die Grenzen von 1792 fest. Die Ursachen für die Niederlage Napoleons lagen sowohl in der gewaltigen Überlegenheit der Verbündeten als auch in der Erschöpfung Frankreichs und der Abkehr der französischen Nation von der abenteuerlichen napoleonischen Kriegspolitik.

7. Koalitionskrieg 1815

Die Gegensätze der Siegermächte auf dem Wiener Kongreß (1. 11. 1814-Mltte Juni 1815) und die Mißstimmung im französischen Volk über die Politik der Ultraroyalisten bewegen Napoleon, Anfang März 1815 von Elba nach Frankreich zurückzukehren (Herrschaft der 100 Tage). Gegen ihn erneuerten Großbritannien, Rußland, Österreich und Preußen am 25.3. in der Konvention von Wien ihr Bündnis, dem bis auf Schweden, Neapel und die Türkei alle europäischen und deutschen Staaten beitraten. Ehe die überlegenen Feldheere der Verbündeten (700000 Mann) ihren Aufmarsch abgeschlossen hatten, stieß Napoleon (230000 Mann Feldtruppen) Mitte Juni mit der Nordarmee nach Belgien vor. Durch eine Operation auf der inneren Linie wollte er die sogenannte Niederlandearmee unter dem englischen Feldmarschall Arthur Wellesley, Duke of Wellington (1769-1852), und die preußische Armee unter Generalfeldmarschall Gebhard Leberecht von Blücher (1742-1819) getrennt schlagen. Während Teilkräfte (40000 Mann) bei Quatre-Bras die Armee Wellingtons banden, konnte die Hauptgruppierung (78000 Mann, 248 Geschütze) am 16. 6. bei Ligny die preußische Armee (82000 Mann, 216 Geschütze) zwar besiegen, aber nicht zerschlagen. Deren kühner Abzug nach Norden statt nach Osten sicherte die Verbindung mit Wellington. Das Zusammenwirken beider Armeen entschied am 18.6. die Schlacht bei  Waterloo 1815, mit der das napoleonische Regime endgültig zusammenbrach. Der zur Abdankung gezwungene Kaiser (22. 6.) wurde auf die Insel Saint Helena verbannt, und die Bourbonen kehrten nach Paris zurück. Der zweite Pariser Frieden vom 20.11.1815, der Frankreich im wesentlichen auf die Grenzen von 1790 beschränkte, beendete den 7. Koalitionskrieg.

Ergebnisse: Die Völker erlitten in den Koalitionskriegen gewaltige personelle und materielle Verluste. Nach Schätzungen betrug allein die Zahl der gefallenen und der an Verwundungen gestorbenen Soldaten über 4 Mill. Mann; sehr hoch war auch die Zahl der an Krankheiten Gestorbenen. Die Fürsten nutzten den Zusammenbruch der napoleonischen Herrschaft für eine spätfeudale Restaurationspolitik aus. Diese konnte zwar die territorial-politischen Veränderungen und die begonnene soziale Umwälzung nicht mehr rückgängig machen, hemmte jedoch die Weiterführung des bürgerlichen Fortschritts. Unter der Vorherrschaft des russischen Zarentums errichteten die europäischen Monarchen auf dem Kontinent ein konterrevolutionäres Herrschaftssystem (Heilige Allianz), das den 1815 geschaffenen Deutschen Bund einschloß.

In militärischer Hinsicht brachten die Koalitionskriege wichtige Ergebnisse. Die auf massenhaften Einsatz und Beweglichkeit der Streitkräfte und Kampfmittel aufbauende bürgerliche Kriegskunst wurde zum Ge­meingut aller europäischen Armeen. Fast überall setzte sich das Prinzip der Zwangsaushebung der Be­völkerung zum Wehrdienst entweder in Form der all­gemeinen Wehrpflicht oder der Konskription durch. Gliederung, Struktur und Ausrüstung der Streitkräfte glichen sich weitgehend an, und mit Ausnahme von Großbritannien wurden die militärische Führung und der Militärapparat in allen Staaten zentralisiert. Die Kriegserfahrungen führten im allgemeinen zu einer Übereinstimmung der Militärmächte in Bezug auf die strategisch-operativen Grundsätze sowie in taktischer Hinsicht zur Verwendung von Tirailleuren in Verbindung mit Linien und Kolonnen. Schließlich beschleunigte die Auswertung der Erfahrungen der Koalitionskriege die Entwicklung der Militärtheorie und Militärwissenschaft.