Der Russisch-Japanische Krieg  mit der berühmt gewordenen Seeschlacht von Tsushima war ein Krieg um Macht- und Einflußbereiche in Ostasien. Beiden Mächten ging es um die Annexion fremden Territoriums, der chinesischen Mandschurei und Koreas. Der Einspruch Rußlands hatte Japan nach dem Frieden von Shimonoseki 1895 gezwungen, auf die schon in Besitz genommene Halbinsel Liautung mit dem Hafen Port Arthur zu verzichten, damit „die Integrität des chinesischen Reiches gewahrt bleibe“, wie es in der von Deutschland und Frankreich unterstützten Intervention hieß. Aber dann hatte das zaristische Rußland selbst die Halbinsel besetzt und in Port Arthur eine Flottenbasis eingerichtet. Eine antirussische Welle überflutete die Japanischen Inseln. Die Armee wurde verdoppelt, die Flotte verdreifacht. Der Krieg gegen Rußland war nur noch eine Frage der Zeit.

Auch die Gründung einer russisch-chinesischen Bank und der Vertrag über den Bau einer ostchinesischen Eisenbahnlinie waren in Tokio mit Mißtrauen aufgenommen worden. In Korea hatten sich die Interessengegensätze zwischen Rußland und Japan ebenfalls verschärft. 1896 war eine Vereinbarung zwischen beiden Regierungen unterzeichnet worden, die beiden Mächten gleiche Rechte in Korea zubilligte. Die russische Regierung entsandte daraufhin militärische Instrukteure und Finanzberater nach Seoul und gründete eine russisch-koreanische Bank.

Die japanische Regierung war nicht gewillt, die Vormachtstellung Rußlands stillschweigend hinzunehmen. Sie suchte und fand in Großbritannien einen Verbündeten, mit dessen Unterstützung sie den russischen Einfluß in Korea zurückdrängte. Rußland wurde gezwungen, die Bank zu schließen und die Berater zurückzuziehen. Nach dem Erfolg in Korea versuchte sich Japan auch in der Mandschurei gegen Rußland durchzusetzen. Die Annexion des von Rußland gepachteten chinesischen Gebiets mit Port Arthur sollte abgeschlossen werden, bevor der Bau der ostchinesischen Bahn beendet sein würde. Die zaristische Regierung war der festen Überzeugung, daß Japan es nicht wagen würde, militärisch gegen Rußland vorzugehen.

Der Volksaufstand der Ihotwan, der sogenannte Boxeraufstand, führte im Jahre 1900 zur bewaffneten Intervention der imperialistischen Mächte, der USA, Großbritanniens, Deutschlands, Frankreichs, Rußlands und Japans, in China. Als Rußland nach der Niederschlagung des Aufstandes seine in die Mandschurei entsandten Truppen nicht zurückzog, was einer Okkupation Nordchinas gleichkam, spitzten sich die Gegensätze zwischen Japan und Rußland weiter zu. Der japanische Ministerpräsident erklärte dem britischen Gesandten: „Eine andauernde Okkupation der Mandschurei durch Rußland kommt einer ständigen Bedrohung Koreas gleich, was wir als eine ausgesprochene Bedrohung für die Existenz Japans ansehen.“

Am 30. Januar 1902 wurde zwischen Japan und Großbritannien ein Bündnisvertrag unterzeichnet, der sich gegen Rußland richtete. In einem geheimen Zusatzartikel sagte England den Einsatz seiner Flotte zu, sofern Rußland den Versuch unternehmen sollte, eine Landung auf den Japanischen Inseln durchzuführen. Zu diesem Zweck wurde die Stationierung einer verbündeten Flotte in japanischen Gewässern vorgesehen. Auch die USA-Regierung stellte sich gegen Rußland. Sie warnte die Regierungen von Frankreich und Deutschland, Rußland in irgendeiner Form Hilfe zu leisten, weil sie sich sonst gezwungen sähe, in das britisch-japanische Bündnis einzutreten.

Unter dem Druck dieser ungünstigen außenpolitischen Situation erklärte die zaristische Regierung offiziell, daß sie ihre Truppen in einer bestimmten Frist aus der Mandschurei abziehen werde. Aber die Verhandlungen mit Japan wurden hinhaltend geführt, absichtlich verzögert, weil einflußreiche Kreise am Zarenhof weder die Mandschurei noch Korea aufgeben wollten.

In der Nacht vom 8. zum 9. Februar (26. zum 27. Januar) 1904 hatten 10 japanische Torpedoboote die ungesichert auf der Reede von Port Arthur (Lü-shun) liegenden russischen Kriegsschiffe angegriffen, Zwei Linienschiffe und ein Panzerkreuzer erlitten schwere Beschädigungen durch Torpedotreffer. Am nächsten Morgen erschien die japanische Flotte unter dem Kommando von Vizeadmiral Heihatiro Togo (1848-1934) vor dem Kriegshafen und eröffnete das Feuer. Als die Artillerie der russischen Schiffe antwortete, drehten die Japaner ab. Dieser Überfall bildete den Auftakt zum Krieg.

Der Schlag hätte die russische Flotte nicht überraschend treffen dürfen. Agentenmeldungen aus Tokio hatten die zaristische Führung über die unmittelbaren Kriegsvorbereitungen Japans - am 24. Januar auch noch über die allgemeine Mobilmachung - informiert, und auch der Chinesisch-Japanische Krieg hätte warnen müssen, denn Japan hatte ihn mit dem Angriff auf die feindliche Flotte eröffnet, bevor noch der Krieg formell erklärt war. Aber in den zaristischen Armee- und Flottenstäben wurde die militärische Bereitschaft der japanischen Armee und Flotte einfach ignoriert. Der russische Militärattache hatte noch 1900 aus Tokio berichtet: „Es werden vielleicht Jahrhunderte vergehen, bis die japanische Armee die moralischen Grundlagen erwerben wird, auf denen die Organisation eines europäischen Heeres beruht, und bis sie auf die gleiche Stufe mit einer der schwächsten europäischen Armeen gestellt werden kann.“ Und der Chef des Flottenstabes in Port Arthur meldete 1903 nach Petersburg, daß die russische Pazifikflotte den Japanern keine Hoffnung lasse, auf Liautung oder Korea Truppen anzulanden.

Zu Beginn des Krieges hatte die russische Pazifikflotte einen Bestand von 7 Linienschiffen, 4 Panzerkreuzern, 7 Kreuzern und 37 Torpedobooten. Die Schiffe waren zu zwei Geschwadern, das Port-Arthur-Geschwader und das Wladiwostok-Geschwader, formiert worden. Die Japaner besaßen 6 Liienschiffe und 8 Panzerkreuzer - fast alle auf britischen Werften erbaut - und außerdem 12 Kreuzer und 47 Torpedoboote.

Der nach Ausbruch des Krieges vom Zaren ernannte neue Oberbefehlshaber, Vizeadmiral Makarow, ein befähigter Flottenführer, unternahm mehrere offensive Flottenvorstöße. Als er bei einem Auslaufen des Geschwaders aus Port Arthur mit seinem Flaggschiff auf eine Mine lief und mit dem sinkenden Schiff ums Leben kam, wurden die Aktivitäten der russischen Flotte eingestellt. Die japanische Flotte unter Admiral Togo nutzte die gewonnene Seeherrschaft aus, um Verstärkung für die japanische Armee an der koreanischen und chinesischen Küste anzulanden.

Am 24. August 1904 faßte die zaristische Führung in Petersburg den Entschluß, einen Teil der Ostseeflotte als zweites Pazifikgeschwader nach dem Kriegsschauplatz in Fernost zu entsenden. Als das Geschwader am 15. Oktober 1904 Liepaja (Libau) verließ, bestand es aus 7 Linienschiffen unterschiedlichen Typs, einem Panzerkreuzer, 8 Kreuzern und 9 Torpedobooten. Dazu kamen mehrere Hilfs- und Lazarettschiffe. Wäre die Vereinigung dieser Schiffe mit der Pazifikflotte rechtzeitig geplant und durchgeführt worden, hätte das die eindeutige Überlegenheit der russischen Seestreitkräfte bedeutet. Inzwischen hatte sich die Lage vor Port Arthur so verschlechtert, daß die Entsendung des zweiten Pazifikgeschwaders ihren Sinn verlor. Das Port-Arthur-Geschwader unternahm am 10. August einen Durchbruchversuch nach Wladiwostok, der von der japanischen Flotte vereitelt wurde. Nach einem Artillerieduell auf 10000 Meter Entfernung drehten die russischen Schiffe, deren Geschütze zum Teil für die Verteidigung der Festung demontiert worden waren, auf Gegenkurs und liefen nach Port Arthur zurück. Im Hafen wurden die Schiffe völlig abgerüstet und Waffen und Besatzung in die Festungsmannschaft eingereiht. Das Schicksal der Festung erfüllte sich dennoch: Nach acht Monaten Verteidigung wurde Port Arthur am 2. Januar 1905 den Japanern übergeben.

Das von Vizeadmiral Roshdestwenski kommandierte zweite Pazifikgeschwader lag vor Madagaskar, als die Nachricht vom Fall Port Arthurs in Petersburg eintraf. Der Zar und die ihn beratenden Militärs sahen keinen Grund, den Auftrag für Roshdestwenski zu ändern. Blind für Realitäten, trafen sie eine weitere unglückliche Entscheidung: Ein veraltetes Linienschiff und drei kleine, sehr langsame Küstenpanzerschiffe wurden dem Geschwader als angebliche Verstärkung nachgesandt. Um diese für eine Seeschlacht völlig wertlosen Schiffe in seinem Verband aufzunehmen, war Roshdestwenski gezwungen, äußerst wertvolle Zeit zu opfern. Roshdestwenski war ein Mann, der wegen seiner Unbestechlichkeit und seines Könnens in der Flotte geachtet und beliebt, aber wegen seiner offenen Kritik an der unfähigen Militärbürokratie und den von ihr verursachten Mißständen am Zarenhof und in der Admiralität gefürchtet war. Auf die Nachricht von der »Entsendung eines Verstärkungsgeschwaders zur Wiedererkämpfung der Seeherrschaft« antwortete er:

„1. Ich habe mit den mir unterstellten Seestreitkräften keine Aussicht, die Seeherrschaft wiederzugewinnen.

2. Die Nachsendung der Verstärkung aus ungeübten, veralteten und teilweise in ihrer Konstruktion verfehlten Schiffen wird die Flotte nur weiter behindern und damit schwächen.

3. Nach meiner Ansicht besteht nur die eine Möglichkeit, unter Einsatz aller Kräfte nach Wladiwostok durchzubrechen und von dort aus die feindlichen Verbindungen zu bedrohen.“

Roshdestwenski wußte, was ihn erwartete. Um Wladiwostok zu erreichen, mußte er durch die Korea-Straße, eine Meerenge zwischen Japan und Korea. Hier würde ihn die überlegene japanische Flotte zum Kampf stellen; es gab keine Möglichkeit, dieser Vernichtungsschlacht auszuweichen. Mitte Mai nahm er im Südchinesischen Meer die ihm nachgesandten Schiffe unter Befehl des Konteradmirals Nebogatow in seinen Verband auf. Dann setzte er die Fahrt in Richtung auf die Straße von Korea fort.

Die Leistung, die das russische Geschwader auf seinem Marsch um die halbe Erde vollbracht hatte, war unter den gegebenen Bedingungen einmalig. Sieben Monate hatte die Seereise über eine Entfernung von 18 000 Seemeilen gedauert. Auf dem gesamten Weg gab es - außer Madagaskar, das zum verbündeten Frankreich gehörte - keinen Stützpunkt, der hätte angelaufen werden können. Instandhaltung und Reparaturen an Schiffen und Anlagen, die Versorgung mit Wasser und Proviant, vor allem die ständigen Kohleübernahmen mußten auf offener Reede oder gar auf hoher See durchgeführt werden. Die Strapazen für die Besatzungen waren kaum ertragbar, Krankheit und Tod forderten ihre Opfer. Die Schiffe verloren bei der ununterbrochenen Belastung der Maschinen und Anlagen an Zuverlässigkeit, der sich ansetzende Schiffsbodenbewuchs verringerte ihre Geschwindigkeit. Aber nicht ein einziges Schiff, obwohl manche wenig seetüchtig waren, ging auf diesem langen Seeweg verloren. Die Weltöffentlichkeit verfolgte mit Staunen und Bewunderung diese Energieleistung russischer Seeleute und Ingenieure, aber die Fachwelt - die zaristische Admiralität ausgenommen - erahnte das tragische Schicksal, das diese Männer am Ende der Fahrt erwartete. Das russische Geschwader, sein Kampfkern bestand aus 4 neuen und 4 älteren Linienschiffen, wurde im Morgengrauen des 27. Mai 1905 von einem japanischen Hilfskreuzer vor der Korea-Straße entdeckt. Minuten später informierte der Kommandant Admiral Togo mit Funkspruch über Bestand, Formation, Geschwindigkeit und Kurs des Gegners. Togo lag mit seinen Hauptkräften, 6 Linienschiffen und 6 Panzerkreuzern, in der Masampobucht vor der südkoreanischen Küste in Alarmbereitschaft. Nach Eingang der Aufklärungsmeldung ließ Togo die Anker lichten und stieß über die Meerenge bis in Sicht der japanischen Küste vor. Das russische Geschwader war noch nicht auszumachen. Vermutlich hatte der japanische Aufklärer die Geschwindigkeit des Gegners überschätzt. Togo ging wieder auf Gegenkurs, und kurz vor zwei Uhr nachmittags bekamen sich beide Flotten, nahe der Insel Tsushima, in Sicht. Auf dem russischen Flaggschiff wehte das Signal »Kurs 23 Grad Wladiwostok«. Die japanische Flotte näherte sich auf entgegengesetztem Kurs, so daß ein Passiergefecht zu erwarten war. Plötzlich drehte die japanische Linie hart nach Norden ab, schlug einen Kreisbogen und setzte sich quer vor die russische Kiellinie. Das »Crossing the T« (den Querstrich über das T ziehen) wurde Togo durch die überlegene Geschwindigkeit seiner Schiffe ermöglicht. Die japanische Linie dampfte mit einer Geschwindigkeit von 18 Knoten, die russischen Schiffe hielten nach der langen Fahrt nur noch eine Geschwindigkeit von 11 Knoten. In der errungenen Position war es Togo möglich, die Breitseiten aller japanischen Schiffe auf die russischen Spitzenschiffe zu konzentrieren, während aus der russischen Linie nur einige Schiffe mit ihren vorderen Türmen das Feuer erwidern konnten.

Auf eine Entfernung von 6700 Metern erteilte Admiral Roshdestwenski den Feuerbefehl an seine Schiffe. Artillerieoffiziere und Geschützbedienungen waren während des langen Marsches für den Artilleriekampf auf große Entfernungen vorzüglich ausgebildet worden. Ein englischer Beobachter bei der japanischen Flotte berichtete über den Beginn der Schlacht: „Der Eindruck, daß die russische der japanischen Schießkunst auf große Entfernung überlegen sei, bestätigte sich. Die Einschläge der russischen Geschütze fielen  immer wieder dicht an beiden Seiten des japanischen Flaggschiffes ...“

Admiral Togo ließ das Feuer erst auf eine Entfernung von 5 000 Metern erwidern. Im Verlauf der ersten Stunde verringerte er die Entfernung weiter bis auf 2 700 Meter, und das japanische Feuer aus den schweren 304-Millimeter-Geschützen wurde für die russischen Spitzenschiffe tödlich. Bei Entfernungen von 5 000 Metern und weniger besaßen die japanischen Schnellfeuergeschütze eine höhere Trefferwahrscheinlichkeit als die russischen Geschütze. Die ersten schweren Schäden erlitt das russische Flaggschiff „Suworow“. Es lief aus dem Ruder und kam auf 900 Meter an die feindliche Linie heran. Der britische Beobachter, Captain Packenham, schrieb über den Todeskampf des Schiffes:

„Obwohl nur noch die Hälfte des Schiffes von Menschen besetzt sein konnte, führte es den Kampf weiter. Dann wurde der vorderste Turm durch eine 304-Millimeter-Granate getroffen. Der Explosion folgte ein gewaltiger Flammenausbruch, der die Bordwand über 15 Meter weit aufriß. Durch den Riß konnte man das in Brand geratene Innere des Schiffes sehen ... Weitere Geschosse trafen das Schiff. Großmast und Vormarsstenge wurden weggeschossen. Eine starke Explosion im Achterschiff schien das Ende zu bringen, aber das Schiff hielt dem ungleichen Kampf immer noch stand ...“

Erst die Torpedotreffer eines japanischen Torpedobootes führten zum Untergang der „Suworow“. Admiral Roshdestwenski war während des Kampfes viermal schwer verwundet und bewußtlos auf ein Torpedoboot gebracht worden. Der Stellvertreter im Kommando, Konteradmiral Fölkersam, war vor der Schlacht verstorben, weil seine Flagge aber noch wehte, übernahm Konteradmiral Nebogatow zunächst nicht die Führung des Geschwaders. Das brachte Verwirrung in die führerlos gewordene russische Linie. Bis zum Abend wurden zwei weitere russische Linienschiffe durch Artillerietreffer versenkt. Die von den Japanern eingesetzten Verzögerungszünder ließen die schweren Granaten erst nach Eindringen in die Panzerwände detonieren. Die Stahlplatten wurden in Stücke zerrissen, die herumfliegenden Splitter verursachten zusätzliche Schäden.

Das letzte Linienschiff, das vor Einbruch der Nacht sank, war die „Borodino“. Der englische Beobachter berichtete hierüber: „Nach dem Aufschlag einer 304-Millimeter-Granate der „Fuji“ war eine riesige Qualmwolke zu beobachten, die vom Feuer der Explosion gerötet wurde. Sie stieg empor bis zu den Höhen der Schornsteinkappen. Aus den Niedergängen zu den Kessel-und Maschinenräumen, aus den Aufbauten, überall brach Dampf aus, und in zwei oder drei Minuten war das Schiff vom Bug bis zum Heck in eine wirbelnde Wolke aus weißem Qualm und Dampf eingehüllt... Eben sah man das Schiff noch, dann war es verschwunden. Das war alles.“

In der Nacht wurden die verstreuten russischen Schiffe von japanischen Torpedobooten angegriffen. Das zweite russische Pazifikgeschwader stand vor seiner völligen Vernichtung. Im Ergebnis der Schlacht gingen 22 russische Kriegs- und Hilfskriegsschiffe verloren. Nur einem Kreuzer und 2 Torpedobooten gelang der Durchbruch nach Wladiwostok, 6 Schiffe erreichten neutrale Häfen. Als Konteradmiral Nebogatow sich am nächsten Morgen allein mit 6 Kriegsschiffen von der japanischen Flotte eingekreist sah, die sofort wieder ihr vernichtendes Feuer auf die russischen Schiffe eröffnete, ließ er die weiße Flagge hissen. Seinem Stab erklärte er: „Ich bin ein alter Mann und werde hierfür erschossen werden. Aber was tut das? Das Leben der 2 400 Männer, die auf diesen Schiffen fahren, ist wichtiger als das meine.“

Das Verhalten Nebogatows war umstritten, weil es gegen die Traditionen der russischen Flotte verstieß. Die Ehre der russischen Seeleute konnte es nicht verletzen, sie hatten tapfer und aufopferungsvoll gekämpft. Über 6 000 von ihnen waren gefallen, „Helden nicht nur des Tages, sondern für die Ewigkeit“, wie der englische Beobachter, Captain Packenham, in seinem Bericht über die Schlacht feststellte.

Die japanischen Verluste waren gering. Von den Großschiffen hatte nur das Flaggschiff „Mikasa“ schwere Beschädigungen erlitten, 3 Torpedoboote waren gesunken, 500 Mann waren gefallen. Es war ein Sieg der schweren und schnellfeuernden Artillerie auf mittlere und nahe Entfernungen mit panzerbrechenden Granaten und Verzögerungszündern. Der Geschwindigkeitsverlust der russischen Schiffe und andere nachteilige Folgen der langen Reise für Schiffe und Besatzungen ergaben für die japanische Flotte entscheidende taktische Vorteile. Strategisch brauchten die Japaner nur die Fehler der zaristischen Führung auszunutzen: Die russische Pazifikflotte war in drei Divisionen geteilt räumlich auseinandergezogen, sie konnten von den Japanern nacheinander vor Port Arthur, Inchon und Wladiwostok ausgeschaltet werden, bevor das Ostseegeschwader herankam.

Die Schlacht bei Tsushima beendete den Russisch-Japanischen Krieg. Zwar hätte Rußland Japan in einem defensiv geführten Landkrieg ausbluten lassen können, aber unter den Bedingungen der ausbrechenden Revolution wagte die zaristische Regierung nicht, den Krieg fortzusetzen. So nahmen beide Mächte die Friedensvermittlungen des Präsidenten der USA, Theodore Roosevelt, an. Im Friedensvertrag von Porthmouth (USA) wurde Liautung mit Port Arthur japanisches Pachtgebiet. Südsachalin fiel an Japan, Korea und die Südmandschurei wurden japanische Interessensphäre.